Wenn es möglich gewesen wäre, daß die Buben rot geworden wären, dann würden sie alle beide errötet sein, aber das ging nicht, weil sie ohnehin schon aussahen wie zwei Klatschrosen. „Ich weiß nicht,“ sagte der Blaue kläglich. „Ich auch nicht,“ ächzte der Dicke.

„Nä, potz tausend, so ä paar dämliche Jungen hab' ich noch nie gesehen!“ rief der alte Bauer, der die Unterhaltung mit angehört hatte. „Sind Feinde und wissen nicht, warum! Nä, so was!“

Die alte Bäuerin aber faltete die Hände still im Schoß und guckte mit ihren klaren, guten Augen die Buben ernsthaft an. „Gelle, 's macht viel Freude, 'nen Feind zu haben?“ fragte sie.

„Nä!“ riefen die Buben wie aus einem Munde, und einer schielte verlegen den andern an.

Die Alte stand auf, holte zwei große Tassen Fliedertee herbei und sagte freundlich: „Den Tee trinkt jetzt, und wenn ihr fertig seid, stoßt ihr an. Eigentlich macht man das ja mit 'ner vollen Tasse, aber ihr schwappert mir sonst noch das Bett voll. Und nachher hat's 'n Ende mit der Feindschaft, gelle?“

„Ja,“ sagten die Buben ganz demütig und tranken tapfer den Tee, obgleich es ihnen schon war, als sollten sie geschmort werden. Sie stießen auch wirklich miteinander an, und ob es nun der Fliedertee machte oder die Hitze oder das freundliche Zureden der alten Bäuerin, dem Dicken und dem Blauen kam die Sache auf einmal komisch vor. Sie prusteten alle beide los vor Lachen und zwickten und schubsten sich, und bums! fiel das dicke Federbett mitten in die Stube.

„Nä, die gute Wärme!“ schrie die Bäuerin und packte das Bett schnell wieder auf die Buben drauf und stopfte es rechts und links fest, damit die Hitze nur ja im Bette blieb. „Dann seid ihr morgen gesund,“ tröstete sie die schwitzenden Buben.

Dann holte sie sich einen großen, roten Strickstrumpf, setzte sich an das Bett und begann ihren Gästen eine Geschichte zu erzählen. Die alte Standuhr tickte laut dazu, und manchmal schnarrte sie, als wollte sie auch etwas sagen. Der Bauer saß in der Ofenecke und rauchte sein Pfeifchen, und neben ihm lag schnurrend ein dicker, schwarzer Kater.

„Klappklapp, klappklapp,“ machten die Stricknadeln, als müßten sie mit erzählen helfen, und je schneller die Bäuerin sprach, je flinker klapperten die Nadeln. Immer heißer wurde es im Zimmer, denn der braune Kachelofen fauchte ordentlich vor Hitze. Den Buben wurde es auch immer wärmer in ihrem Bett; sie schwitzten wie zwei Teekessel, aber dabei wurde es ihnen immer friedlicher ums Herz. Sie vergaßen allen Streit und allen Trotz. Der dicke Friede blinzelte seinen einstigen Feind an, dann legte er seinen Kopf an dessen Schulter, und der tat ganz sacht seinen Arm um des andern Hals.

Leiser und leiser wurde die Stimme der alten Bäuerin, die Stricknadeln klapperten kaum hörbar, zuletzt verstummte die Erzählerin, und in den dicken Federkissen schnarchten die beiden Friede um die Wette, und bald schnarchte auch der Bauer in der Ofenecke mit.