Die Großmutter lachte so herzlich, daß ihr die Brille von der Nase fiel, und sagte: „Studier lieber Lesen und Schreiben, das ist besser!“

Aber Jakob blieb bei seinem Vorsatz. Am andern Tage, der heiß und sonnig war, marschierte er gleich nach dem Mittagessen zum Dorf hinaus. Einige seiner Freunde gaben ihm das Geleit bis an die große Linde, die am Eingang des Dorfes stand. Dann legten sie sich gemütlich in den Schatten, während Jakob auf der sonnigen Landstraße weiter zog dorthin, wo die Felder seines Vaters lagen.

Um die gleiche Mittagsstunde kam von der andern Seite her ein Bäuerlein. Der führte an einem Strick ein rundes, fettes Schweinchen. Er hatte es auf dem Markt in der Stadt gekauft und kehrte nun in sein Dorf zurück, das eine gute halbe Stunde hinter Oberheudorf lag. Der Bauer war müde und das Schweinchen auch, denn der Weg war sonnig und die Hitze groß. Seufzend blieb der Bauer stehen. Freilich war Oberheudorf nicht mehr weit, und dort gab es ein Wirtshaus, aber vorher hätte er gern noch ein Mittagschläfchen gehalten. Auf einem schmalen Feldweg, zwischen Kornfeldern, die wie ein goldenes Meer wogten, stand ein wilder Apfelbaum. An den band der Bauer sein Schweinchen, er selbst legte sich an den Feldrand, und nach wenigen Minuten schlief er tief und fest.

Das Schweinchen aber hatte keine große Lust zu einer Mittagsruhe. Ungeduldig zerrte und zog es an dem Strick, der nur lose um den Baum geschlungen war, und auf einmal ritsch! war das Schweinchen frei. Vergnügt trabte es davon und kümmerte sich gar nicht um seinen schlafenden Herrn. Das war sehr herzlos, aber Schweine sind nun einmal so.

Je näher Jakob den Feldern seines Vaters kam, desto bänglicher wurde ihm ums Herz. Es war so heiß und still; kaum einen Luftzug spürte man, leise nur rauschten die wogenden Felder. Jakob hatte versprochen, zum Zeichen, daß er wirklich im Felde gewesen war, einen riesengroßen Blumenstrauß zu pflücken. Nicht gerade sehr vergnügt machte er sich an sein Werk, und sorgsam vermied er es, Ähren zu zertreten. Wie er im besten Pflücken war, hörte er plötzlich etwas im Felde rascheln, und erschrocken blieb er stehen und lauschte.

Ein Weilchen war alles still, er mochte sich wohl getäuscht haben. Seufzend pflückte er weiter, doch da – die Haare sträubten sich ihm – deutlich sah er, wie sich etwas im Felde bewegte. Stärker rauschte das Korn, und der Bube blieb vor Angst und Entsetzen ganz still stehen.

Da – tauchte da nicht etwas Helles, Unheimliches auf?

Die Roggenmuhme, sie war es – niemand anders!

Jakob wagte gar nicht ordentlich hinzusehen. Mit einem gellenden Schrei ergriff er die Flucht und warf die Blumen weit von sich.

Aber hinter ihm her kam es gerannt, seltsame Töne ausstoßend.