„Wauwau, wauwau!“ bellte Sultan hinter dem Buben, und die Katzenmama versetzte ihm für das Gebell fauchend eine Ohrfeige.
„Ratten, das sind Ratten!“ quiekten die fremden Damen. „Pfui, du abscheulicher Junge! Zu Hilfe, Ratten, Ratten!“ Eine der Damen kletterte auf den Tisch, die andere sprang auf das Bett. Angstvoll rafften sie ihre Röcke zusammen und schrien, als wäre Heine Peterle mit den kleinen, unschuldigen Katzen ein furchtbares Ungeheuer.
Muhme Rese, die unten den Lärm hörte, kam, so rasch es ihre alten Füße erlaubten, die Treppe heraufgelaufen; sie dachte, es sei ein großes Unglück geschehen.
„Das ist der schreckliche Junge wieder, der gestern im Bett gelegen hat,“ zeterte die eine der Damen, die andere hatte einen Sonnenschirm ergriffen und drohte: „Marsch, hinaus mit deinen Ratten, böses Kind du!“
„Ratten? Nä, das sind junge Katzen!“ sagte Muhme Rese, die erstaunt an der Türe stehen blieb. „Und böse ist unser Heine Peterle auch nicht, mal en bißchen faul und mal en bißchen vorlaut und frech, aber sonst ist er en ganz guter Junge. Und Ratten sehen allemal anders aus. Das hier sind Katzen, die tun niemand nichts. Schreien Sie man nicht so!“
Heine Peterle sah dankbar zu Muhme Rese auf, weil die ihn so gut verteidigte, dann nahm er seine Kätzchen und entfernte sich eilig, die Dame mit dem Sonnenschirm sah ihn gar zu drohend an.
Es war doch schrecklich mit den Stadtleuten, nie konnte man es ihnen recht machen! „Dumm sind sie, die Stadtleute,“ dachte Heine Peterle, als er wieder vor seiner Strafarbeit saß. „Wie kann man nur Katzen für Ratten halten!“
Platsch, saß da ein großer, dicker Klecks mitten im Buch. Er sah beinahe wie ein kleiner schwarzer See aus. Stöhnend rieb der Bube mit seinem Gummi so lange an dem Fleck herum, bis ein Loch an der Stelle war, und dann schrieb Heine Peterle weiter und machte vierundzwanzig Fehler. Seiner Meinung nach waren an allem Unglück nur die beiden Stadtdamen schuld; er machte darum fortan, wo er sie erblickte, einen großen Bogen um sie herum.
„Man muß freundlich zu den Fremden sein,“ dachten wie Heine Peterle alle andern Oberheudorfer, und wenn sich jemand von den Stadtleuten blicken ließ, da grüßten sie, lachten und blieben stehen.
Und die Fremden sagten: „Nein, sind die Oberheudorfer aber neugierig!“ Sie hielten die Freundlichkeit nur für Neugierde.