„Man muß freundlich zu den Fremden sein,“ dachte auch Hans Rumps, der Nachtwächter. Er blies darum allemal vor den Fenstern der Stadtleute die Stunden ab, und weil er es besonders gut machen wollte, sang er noch sein Sprüchlein:

„Hört, ihr Leute, laßt euch's sagen,
Die Glocke, die hat elf geschlagen!“

Wenn Hans Rumps sein Horn blies, klang es nun aber, als ob einer in einen hohlen Topf tutet, und wenn er sang, quietschte es, als drehe sich die alte, verrostete Wetterfahne auf dem Kirchturm. Schön war es wirklich nicht, und die Stadtleute ärgerten sich, wenn sie in der Nacht immer wieder durch das Getute und den Gesang geweckt wurden.

„Nicht zum Aushalten ist es!“ sagte die eine der Damen.

„Das soll nun Ruhe sein!“ entrüsteten sich die Herren.

So kam es, daß schon nach drei Tagen die Sommerfrischler mit sehr mißmutigen Gesichtern Oberheudorf verließen. Sie kamen auch nie wieder. Überhaupt sind seitdem keine Sommergäste mehr nach Oberheudorf gekommen, und Heine Peterle sagte, das sei gut; mit den Stadtleuten sei ohnehin nicht viel los.

Nur der lustige Maler blieb. Er wurde bald der gute Freund von allen Kindern und zeichnete alle in sein großes, dickes Zeichenbuch. Alle kamen sie hinein, auch Muhme Lenelis und ihr Häuschen, die Schule und der Schulzenhof, ja selbst der Herr Lehrer.

Heine Peterle sagte: „Ja, wenn die Stadtleute alle so wären wie der Herr Maler, dann möchte es gut sein.“

Muhme Lenelis aber meinte: „Die Rechten sind halt nicht dagewesen, die sind schon gut!“

Und das will Heine Peterle nicht glauben.