Für die Kinder gab es ein Karussell, ein Kasperletheater und eine Bude, in der es Papierlaternen, Pfefferkuchen, Drachen, Bonbons und dergleichen gute Dinge zu kaufen gab. Man konnte auch darum würfeln, doch da kriegte man gewöhnlich nichts.

Heine Peterle und Schulzens Jakob prügelten sich fast, weil Jakob meinte, das Karussell wäre am schönsten, und Heine Peterle mehr für das Kasperletheater eingenommen war. Aber schön war beides.

Das Karussell hatte braune und weiße Pferde, die kleine Kutschen zogen, und wenn es sich drehte, tanzten in der Mitte immer vier Puppen. Einer fehlte der Kopf, eine hatte keine Arme, und einer war das Kleid halb verbrannt und die Nase eingeschlagen, aber tanzen konnten sie doch. Das Karussell kam jedes Jahr, und die Kinder wußten schon, daß das eine Pferd eine schwache Feder hatte; setzte sich jemand darauf und ging das Karussell los, dann berührte das Pferd mit der Nase immer den Boden, und wer nicht fest saß, konnte leicht von diesem wilden Tier herunterfallen.

Als die Kinder den Festplatz betraten, kam auch gerade der Waldhüter Leberecht Sperling an, und der Karussellbesitzer drehte seine Musik auf. Dideldideldi, dideldideldi! ging es, und die Kinder liefen eilig hin, denn natürlich gefiel ihnen das Karussell besser als der immer brummige Waldhüter.

Das erstemal fuhren nur ein paar Niederheudorfer Buben, die es gar nicht erwarten konnten. Die andern Kinder standen und sahen zu; das war auch ein Vergnügen. Erst beim drittenmal, just als die erwachsenen Oberheudorfer auf dem Festplatz anlangten, kletterten Buben und Mädel auf das Karussell. Auf das braune Pferd mit der kaputten Feder aber ging kein Kind, denn keines wollte herunterfallen. Zweimal fahren kostete fünf Pfennig, und die Oberheudorfer Kinder meinten, für das teure Geld müßte man wenigstens bis zum Schluß sitzen bleiben können. „Da ist Leberecht Sperling!“ schrie Anton Friedlich plötzlich, der auf einem Schimmel saß und sich wie ein Feldmarschall vorkam.

Drohend schauten die Buben und Mädel auf den Waldhüter, der wirklich geradewegs auf das Karussell zukam. „Was will er denn? Hier ist kein Wald!“ schrie Heine Peterle patzig.

„Er will mitfahren!“ kicherte Annchen Amsee, die stolz wie eine Prinzessin in einer mit rotem Samt ausgeschlagenen Kutsche saß.

„Vielleicht setzt er sich auf den Braunen,“ rief Schnipfelbauers Fritz, und die Kinder quiekten förmlich vor Vergnügen über diesen Witz und guckten alle lachend auf den sonst so gefürchteten Waldhüter; hier auf dem Festplatz konnte er ihnen ja nichts tun.

Leberecht Sperling ärgerte sich über all die blanken, lachenden Kinderaugen, wie er sich ja über vieles ärgerte, über das andere Leute sich freuten. Als daher Schulzens Jakob schrie: „Geht's denn nicht bald los?“ da rief er wütend, als sei er der Besitzer: „Wart' es doch ab, dummer Bengel!“

„Wollen Sie mitfahren, Herr Waldhüter?“ fragte der Karussellmann höflich.