„Das ist frech!“ schrien die Mädel alle miteinander empört, und Muhme Lenelis mußte erst ihre aufgeregten Zuhörer beruhigen, ehe sie weitererzählen konnte. Schlampampes Geschwister hatten alle schöne Namen. Oft, wenn Besuch kam und die kleinen Prinzen und Prinzessinnen guten Tag sagen mußten, lachten die Gäste über Schlampampes Namen. Später, als sie größer wurde und schön und lieblich wie ein Maientag aussah, da lachten die jungen Prinzen, die in das Schloß ihres Vaters kamen, auch über den Namen. – Einmal hörte die arme Schlampampe, wie ein junger König aus einem Nachbarland zu seinem Diener sagte: „Die Prinzessin gefällt mir gut, ich mag aber keine Frau heiraten, die Schlampampe heißt.“

„Nä,“ sagte da Heine Peterle und schüttelte ernsthaft den Kopf, „ich möcht's auch nicht!“

„Halt den Schnabel, du Dreikäsehoch,“ rief die Muhme und fuhr fort: „Die arme Prinzessin weinte sich bald die Augen aus vor Herzeleid. Viele, viele Wochen saß sie in ihrer Kammer und sprach kein Wort, und den Eltern brach schier das Herz, als sie den Kummer ihres lieben Kindes sahen. Die Geschwister wollten sie trösten und nannten sie Herzensschlampampchen, süße Schlampampe oder Schlampampelein, aber alles half nichts, die Prinzessin blieb traurig.

Eines Tages ging sie zu ihrem Vater und sagte: „Lieber Papa König, bitte, bitte, laß mich allein in die Welt ziehen! Vielleicht finde ich einen Königssohn, der mich heiratet trotz meines Namens.“

Gern ließ der König sein Kind freilich nicht ziehen, weil die Prinzessin aber gar so innig bat, willigte er ein. Er übergab ihr ein winziges Köfferchen, in dem waren die schönsten Kleider, die man sich denken kann, alle spinnewebfein, aber so wundervoll, wie sie noch keine Prinzessin je getragen hatte. Er gab seinem Kinde auch noch ein Beutelchen, in dem das Geld nie alle wurde, und dann nahm Schlampampe unter heißen Tränen Abschied von Eltern und Geschwistern. Sie zog ein graues Bettlerkleid an, setzte sich auf ein schneeweißes Rößlein und zog in die weite Welt hinaus.

Als die Nacht kam, kehrte sie in einem Bauernhaus ein, wo sie freundlich aufgenommen wurde. „Wie heißt du denn?“ fragte die Bäuerin.

Schlampampe wurde rot wie ein Adonisröslein und sagte schüchtern ihren Namen.

„Mein Himmel!“ schrie die Frau entsetzt und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „Was ist das für ein Name! Nein, so etwas! Mach' nur, daß du fort kommst, für eine Schlampampe ist kein Platz in meinem Hause!“

Da ging die arme Prinzessin traurig weiter und beschloß, die Nacht im Walde zu bleiben. Als sie sich auf das Moos niederlegte, begannen die Vöglein süße Weisen zu singen, und die Bäume rauschten sanft und lind. „Armes, schönes Königskind,“ flüsterte eine stolze Tanne, „sei nicht traurig über deinen Namen, das Herz ist die Hauptsache.“

„Ja, das ist wahr,“ rief ein Mistkäfer, der am Boden kroch. „Ich bin nur ein Mistkäfer, aber ich habe ein gutes Herz!“