„Wo bist du denn?“ rief sie ängstlich. Trude gab nur eine undeutliche Antwort, sie war in einen Fischkasten gefallen. Sie fühlte, wie es um sie herum kribbelte und krabbelte, und entsetzt versuchte sie herauszukommen. Da sah sie einen hellen Schein und lief in dem Wasser, das ihr nur bis an die Brust ging, entlang bis an ein Loch. „Da komm' ich raus,“ dachte sie und bückte sich, kletterte über eine Planke und saß auf einmal mitten im Bach. Ein Weilchen blieb sie ganz verwirrt sitzen.

Die Gänse, die Alte, Leberecht Sperling, das dunkle Gefängnis, dem sie so unvermutet entronnen war, das alles ging ihr wie ein Mühlrad im Kopfe herum.

Marieles Jammergeheul in dem Fischhäuschen brachte Trude endlich zu sich. „Wir müssen ausreißen, ehe Leberecht Sperling kommt,“ dachte sie. Sie sprang von ihrem feuchten Sitz auf und lief an das Häuschen, um die Freundin zu befreien. Die Tür war verschlossen, also mußte auch Mariele durch den Fischkasten kriechen. Unter Stöhnen und Ächzen entschloß sich das kleine, dicke Mädel endlich dazu. „Ich kann nicht,“ klagte sie, als sie schon einen Fuß im Wasser hatte, „ich graule mich!“

„Leberecht Sperling kommt!“ rief Trude von draußen. Das half. Mariele sprang in das Wasser und kam auf dem gleichen Wege wie Trude pudelnaß aus dem Gefängnis heraus.

„Uff,“ ächzte sie, als sie im Bach saß, „das war graulich!“

„Komm nur,“ drängte Trude, „sonst holt uns Leberecht Sperling.“

„Aber die Gänse!“ klagte Mariele und lief hinter der Freundin her.

Krämers Trude blieb betroffen stehen und jammerte: „Ach, die Gänse!“ Doch da sah sie mit langen Schritten einen Mann sich dem Häuschen nähern. „Leberecht Sperling,“ stöhnte sie und raste im Galopp davon und Mariele heulend hinter ihr her.

Es war aber gar nicht Leberecht Sperling, der da kam, um die Gefangenen abzuholen, sondern ein Bauer. Verdutzt starrte er in das leere Häuschen, dann ging er kopfschüttelnd um das Häuschen herum. Aber er sah nichts, und endlich brummte er: „Die Karline hat wohl geträumt,“ und damit trollte er ab.

Die beiden Mädel liefen unterdessen über Stock und Stein und wagten es gar nicht, sich umzusehen. Das dicke Mariele stöhnte etlichemal: „Ich kann nicht mehr!“ Dann rief Trude mahnend: „Leberecht Sperling!“ und weiter ging die wilde Jagd.