„Nä, wie 'n Adler,“ rief Heine Peterle gekränkt, obgleich er in seinem Leben noch nie einen Adler hatte fliegen sehen. „Wenn nur der Bindfaden länger wär'!“ brummte er dann, er hätte gar zu gern seinen Drachen noch höher steigen lassen.
„Ich habe noch welchen,“ sagte Schulzens Jakob und holte aus der Tiefe seiner Tasche allerlei Gegenstände hervor, darunter auch ein Stück Bindfaden.
Alle vier bemühten sich eifrig, damit die Drachenschnur zu verlängern. Jeder behauptete, er könne den schönsten Knoten knüpfen, und so ausgezeichnet machten sie ihre Sache, daß auf einmal – heidi! – der Drachen auf und davon flog.
Ein gellendes Zetergeschrei erhob sich, und Friederike sagte erschrocken „bäh, bäh“, und kehrte in den Stall zurück; die Drachengeschichte war ihr langweilig geworden.
Verzweifelt sahen die Buben dem Drachen nach, der bald höher stieg, bald sich wieder senkte; die Schnur zu fassen aber war keine Aussicht. Was tun? Die Zeit verging, die Stunde zum Kirchgang rückte heran, noch eine Weile, und die Buben mußten gehen und den entflohenen Drachen seinem Schicksal überlassen.
Doch da, jetzt senkte sich der Drachen tiefer, ein Windstoß kam und trieb ihn auf Muhme Lenelis' Häuschen zu.
Er wackelte hin und her, und die Buben stürmten schreiend den Berg hinunter. Und gerade als sie unten ankamen, ging der Drachen wieder in die Höhe.
Heine Peterle konnte nicht mehr an sich halten, er heulte laut los vor Ärger und Herzeleid.
„Halt 'n Schnabel!“ brummte Schulzens Jakob und puffte den Freund. Das sollte nämlich ein Trost sein.
„Jetzt hängt er!“ rief plötzlich Traumfriede, den das schreckliche Ereignis aus seinem Versteck gelockt hatte. Er deutete auf Muhme Lenelis' Esse. Und richtig, oben an der Esse hing der Drachen, wie ein gefangener Vogel zappelte er hin und her.