Muhme Lenelis nahm alles mit Dank an. Sie war sonst trotz aller Armut stets sehr stolz gewesen und hatte nie gern etwas angenommen, höchstens mal ein Stück Kuchen, jetzt aber dachte sie: „Es ist für den Buben. Dem lieben Gott sei Dank, nun kann er sich satt essen!“

Das tat Traumfriede an diesem Abend auch redlich. Es war ein vergnügtes Mahl, das die alte Frau und der arme Waisenknabe in dem freundlichen Stübchen hielten. Friederike, Mimi und Schnurpsel nahmen auch daran teil und schlossen gleich Freundschaft mit dem neuen Hausgenossen.

Als Traumfriede dann auf seinem Lager lag und zum erstenmal in seinem Leben fühlte, daß er eine Heimat hatte, da strich ihm Muhme Lenelis lind über das Gesicht und sagte: „'s war doch gut, daß du mir in meinen Suppentopf gefallen bist, gelle mein Söhnchen?“

Oh, der Suppentopf und Heine Peterles rosenroter Drachen! Wie oft dachte Traumfriede voll Dankbarkeit daran. Wenn einer plötzlich über Nacht ein Prinz wird und immer mit einer Krone auf dem Kopf herumlaufen darf, der kann nicht glücklicher sein als der arme Waisenknabe bei Muhme Lenelis.

In dem kleinen Häuschen wurde er ein lustiger, fröhlicher Bube, da verlor er seine Schüchternheit und lernte es, den Menschen frei und zutraulich in die Augen zu sehen. Es wurde so mit ihm, daß der Herr Lehrer in der Schule oft sagte: „Die beste Arbeit hat wieder Friede gemacht,“ und er meinte damit Traumfriede.

Die Gemeinde zahlte Muhme Lenelis ein Kostgeld für den Buben, und weil die Bauern sich schämten und der Herr Pfarrer ihnen zuredete, wurde das Kostgeld reichlich. Auch die Schulzenfrau, die Schnipfelbäuerin und die Wirtin vergaßen nicht, was sie versprochen hatten, und die Muhme sagte manchmal: „Bube, Bube, seit du mir in den Suppentopf gefallen bist, wird der nicht mehr leer!“

Schulzens Jakob, der das einmal hörte, fragte nachdenklich: „Ob unser Pflaumenmustopf auch immer vollbleibt, wenn ich mal reinfalle?“

„Studier 's lieber nicht,“ sagte Muhme Lenelis lachend, „es könnte dir schlecht bekommen, weißt du, so wie mit der Roggenmuhme!“

Da ließ es Schulzens Jakob, und das war auch besser. Es findet nicht jeder im Suppentopf das Glück wie Traumfriede.