Frau Grill war eine sehr sanfte, stille Frau, sie schalt nie viel, aber ihre Kinder folgten ihr gut. Wenn die Mutter sie traurig, vorwurfsvoll ansah, dann bekümmerte sie das sehr, und als in dieser Beichtstunde die Mutter betrübt fragte: »Nachsitzen mußtet ihr, aber warum?« wären sie alle drei am liebsten in ein Mauseloch geschlüpft vor Scham.
Trinle heulte herzzerreißend. »Sei nicht böse, sei nicht böse,« flehte sie.
Veit und Steffen standen mit gesenkten Köpfen da, und der Jüngste im Hause, Kasperle, zog auch schon einen bedenklich schiefen Mund, obgleich er mit dem Nachsitzen noch nichts zu tun hatte; er war erst fünf Jahre alt.
»Nun erzählt mal; wie war es?«
»Ja, das möchte ich auch hören!«
In der Türe stand Herr Apotheker Grill, der unvermutet eingetreten war. Er sah aus, als wäre er bitterböse, in seinen blauen Augen lag aber doch so ein lustiges Blinken, daß Trinle ein wenig aufatmete und stockend berichtete: »Es sind alle so spät gekommen, weil – weil …«
»Sie drüben eingezogen sind,« vollendete Veit.
»Ja, so war's! Und dann hat Veitle im Latein nichts gewußt und – und …«
»Aus Versehen in der Geschichte das Tintengläsle umgeschmissen,« sagte der Bruder dumpf.
»Ja, so war's!« schluchzte Trinle schmerzlich. »Und Steffle hat in der Geographie bloß – Asien – Asien …«