Sechzehntes Kapitel.
Eine schauerliche Geschichte.
Fräulein Laura seufzt, aber Frau Tippelmann will Pfingstkuchen backen. Im Räuberschlößle wird ein Plan geschmiedet, der auch zur Ausführung kommt. Drei Damen erzählen von einem furchtbaren Untier, der Gendarm Körble meint, es sei ein Füchsle gewesen oder Kräuterpeterle. Auf dem Berg wird nichts gefunden, aber im Bachwirtshaus gibt es eine wundersame Begegnung. Die Sternbübles bekommen ein Güßle und werden sehr vergnügt, und dem schönen Tag folgt ein schöner Abend.
Wie schnell doch die Tage vergingen!
Laura hätte den Tagen in Breitenwert nie so flinke Beine zugetraut. Ostern war doch kaum gewesen, und nun stand Pfingsten schon vor der Türe. Die Löwengasse roch vom Untermarkt bis zum Obermarkt nach frischem Kuchen und jungen Birken. In allen Häusern wurde gescheuert und geputzt. Alle freuten sich, nur Laura war traurig. Es war ein Brief von Herrn Amhag gekommen, er wäre unterwegs, um Alette zu holen. Er hatte von ihrer Krankheit erfahren und sorgte sich um sein Kind. Breitenwert erschien ihm doch nicht der rechte Platz für Alette. Hier waren sie alle zufrieden, hier war Alette ein glückliches Kind, und wo gab es wieder ein so gemütliches Haus wie die Rose?
Laura wollte Frau Tippelmann nichts sagen; doch die sah ihr den Kummer an der Nasenspitze an, und als sie Herrn Amhags Brief gelesen hatte, wurde sie auch traurig. Sie sagte dann aber gelassen: »Man muß alles nehmen, wie es kommt. Zu viel Sorge zerbricht das Glas. Heute wollen wir Pfingstkuchen backen; kommt das Kind wieder fort, dann soll es wenigstens ein rechtes frohes Pfingstfest gefeiert haben im Löwengäßle, im alten Amhaghaus.«
An Pfingstfreude fehlte es Alette schon an diesem Tage nicht. Die saß mit den Grillschen Kindern im wieder ausgebesserten Räuberschlößle und genoß die ersten richtigen Ferien ihres Lebens, nach erst vierzehn Tagen Schulzeit freilich; aber wunderfein war es doch. Sie waren allesamt so vergnügt, daß sie himmelgern etwas ganz Besonderes getan hätten, und sie spitzten alle die Ohren, als auf einmal Trinle rief: »Ich weiß was Feines.«
»Ich ahn's schon,« brummte Steffen, »du kommst wieder mit deinem dummen Räuber- und Prinzessinnenspiel; öde ist's.«
»Falsch geraten!« Trinle strich sich ihr blaues Leinenkleidchen glatt und sah so pfiffig und geheimnisvoll aus, daß es Alette gar nicht mehr erwarten konnte. Sie flehte: »Sag's doch endlich!«
»Also –,« Trinle holte erst noch mal Atem, »wir machen einen Ausflug nach dem Burgbergle, und oben – – –«