»Von dem weiß ich nichts weiter,« erwiderte Frau Tippelmann. Der gestand, daß er von einem Feind des Herzogs angestiftet worden war, die wichtigen Papiere zu rauben. Und um den Verdacht auf einen andern zu lenken, hatte er das Juwelenkästchen in den Ofen gesteckt. Er wird wohl seine Strafe erhalten haben, aber ich denke, der gute Herzog wird milde gewesen sein. Denn herzensgut war der wirklich und so freundlich gegen jedermann. Als er nach zwei Tagen abreiste, heulten Gustele und die Bübles jämmerlich darüber im Hausflur. Der Herzog, der es hörte, tröstete sie selbst, sagte, er werde wiederkommen, wenn sie unbeschreiblich brav würden. Die drei versprachen es und, was noch besser war, sie hielten auch ziemlich Wort. Unbeschreiblich wurde es mit dem Bravsein freilich nicht, aber alle drei wurden tüchtige Leute. Der Herzog kehrte auch wirklich noch etliche Male im Silbernen Stern ein und schlief dort sanft und ungestört. Damit ist meine Geschichte zu Ende.«
»Sie war schon fein!« rief Fräulein Laura. »Nur das Gefrage und Gerede von den Sternbübles ging über die Hutschnur. Doch das Bett muß ich noch sehen; wo steht es denn?«
Gundele sah die Brüder an, die Brüder sahen Gundele an, sie wurden rot und seufzten, und endlich bekannte Mathes: »Die Stube, wo's steht, ist zugesperrt, weil – weil – weil –«
»Ihr gewiß einmal auf dem Bett herumgeklettert seid,« half Frau Tippelmann dem stotternden Mathes nach.
»Ja,« bekannte der kleinlaut, »und alleweil ist einem Engele sein Köpfle abgebrochen und dem andern Engele sein Beinle und –«
»Sternbübles bleiben Sternbübles, da darf man sich nicht wundern!« Frau Tippelmann sah über ihre Brille hinweg zu den Buben hin, nicht etwa böse, bewahre, ihre Augen lachten, ihr Mund lachte, und als Fräulein Laura das sah, lachte sie mit, und schließlich war Alettes Krankenstube erfüllt von einem hellen, frohen Lachen.
Vergnügt gingen nach einem Weilchen die Löwengäßler heim, und die Sternkinder suchten ihre Mutter in der Küche auf. Dort schwätzten sie so viel von dem Himmelbett, erzählten alle drei so durcheinander, daß zuletzt niemand wußte, welche Sternbübles eigentlich auf dem Himmelbett gesessen hatten, die lebendigen oder ihre Ururururgroßväter.