Auf dem Gäßle trafen sie dann die Sternkinder, alle drei; die erzählten, sie gingen zur Muhme Bachwirtin. Sie seufzten sehr, als sie den schönen Plan vom Drachenspiel hörten; sie redeten hin und her, die Bübles wären schon gern am Bachwirtshaus vorbeigelaufen, Gundel aber sagte: »Das geht net.«
Da fiel Mathes etwas ein. »Kommt heim übers Bachwirtshaus,« riet er, »die Muhme läßt uns alle heimfahren mit dem Wägele.«
»Ach, das wird fein!« schrie Trinle.
»Ich muß erst die Großtante fragen,« meinte Alette ängstlich.
Aber Veit belehrte sie rasch, dies sei nicht nötig. Die Burg, eine auf einem mäßig hohen Berg gelegene, ganz zerfallene Ruine sei nicht weit vom Bachwirtshaus. Dort waren die Grills schon oft mit ihren Eltern gewesen. Sie kannten den Weg in das Tal hinab gut und gaben gern die Zusage. Die Sternkinder waren noch nicht wanderbereit, sie sollten noch allerlei für die Muhme mitnehmen, also gab es kein Zusammenwandern.
Mit Hurra und Hallo zogen die Grills und Alette durch die Löwengasse über den Untermarkt zum Tore hinaus. Alette sehnte sich förmlich nach der Burg, von der sie schon so viel gehört hatte, und sie war, wie Steffen sagte, »purzelvergnügt«.
Von der Burg konnten die Breitenwerter in das anmutige Tal ihrer Heimat hinabschauen, und sie gingen gern hinauf. Manchmal kamen auch Fremde über den Burgberg nach dem Städtchen gewandert, weil es da einen überaus lieblichen Waldweg gab. Am Pfingstsamstag aber kam sicher niemand auf den Gedanken, auf die Burg zu gehen, und die Kinder ahnten, sie würden heute dort ungestört sein. Dieser Gedanke berauschte sie förmlich, und sie zogen singend durch das Städtchen und singend den Berg hinan. Auf halber Höhe war ein Gasthaus, in dem die Breitenwerter Kaffee zu trinken pflegten. An ihm schritten die Kinder stolz vorbei; pah, sie hatten Vorrat genug in ihren Rucksäcken! Als sie oben waren, schrie Kasperle gleich: »Ich habe ein Löchle im Bäuchle.«
Trinle war mehr dafür, gleich zu spielen, aber die Brüder überstimmten sie. Also setzten sie sich auf die zerbröckelten Stufen, die zum alten Wartturm hinaufführten, schmausten und erzählten sich von ihrem Spiel. Trinle sagte zu Steffen: »Du mußt Drache sein, du kannst so gut brummen.«
»Und Alette du 's Prinzeßle,« riefen alle, und Veit bestimmte noch: »Kasperle ist ihr Page, und ich bin Ritter, und du bist mein Knappe, Trinle.«
Damit waren alle sehr einverstanden, und Trinle freute sich besonders über den Knappen. Heisa, da konnte sie gewiß den Drachen am Schwänzle ziehen, was sich für Ritter selbst nicht schickte.