»Ein Büble!«

Fräulein Laura lachte. »O du herzallerliebster Schelm!« rief sie fröhlich. »Komm mit hinein, drinnen gibt es Schokolade, und Alette wird sich freuen, wenn sie dich sieht.«

»Das Äffle auch?« fragte Kasperle zutraulich, der nur an den Affen dachte und himmelgern mit in die Rose hineinging.

»Freilich, unser August schießt gleich Purzelbäume vor Freude, wenn du kommst!«

Fräulein Laura spazierte mit Kasperle in das Haus hinein. Vor seiner Ladentüre aber stand wütend und gekränkt der arme Herr Häferlein mit einem rosenroten Zuckerstengel in der Hand. Das war doch zu toll! Die Fremde hatte ihn schlimm und abscheulich genannt, und sein Namensvetter würde Purzelbäume schießen, ja vielleicht tat er das einmal auf der Gasse, und alle würden lachen und würden »August, August!« rufen.

Was zu viel ist, ist zu viel! Herr Häferlein zog sich beleidigt in seinen Laden zurück. Da saß er und schaute mißmutig auf die kleine, sonnenbeschienene Gasse hinaus. Drüben in der Apotheke saß Herr Baldan, und beide ärgerten sich, daß ihre gute Freundschaft einen so argen Riß bekommen hatte. Und warum eigentlich? Doch nur, weil ein Affe einen Menschennamen hatte und August hieß.

Eigentlich eine alberne Dummheit die ganze Geschichte, weiter nichts, dachte der Provisor Baldan. Doch daran, dem alten Freunde ein gutes Wort zu geben, dachte er nicht. »Er mag nur zu mir kommen!« brummte er, und drüben Herr Häferlein dachte nicht anders. »Er muß den ersten Schritt tun, nicht ich, er hat unrecht,« sagte der zu sich.

Inzwischen kam sein Gehilfe zurück, und weil um diese frühe Nachmittagsstunde immer wenig Kunden vorsprachen, nahm Herr Häferlein seinen Hut und lief hinaus. Ein tüchtiger Weg vertreibt am besten den Ärger, meinte er, und darum rannte er die Löwengasse hinab über den unteren Markt, rannte durch allerlei Gassen, bis er zuletzt an ein altes Stadttor kam. Dahinter lag das freie Land.

Breitenwert hatte noch eine Stadtmauer, es hatte auch noch Tore wie einst im Mittelalter, und darauf waren die Breitenwerter sehr stolz; sie fanden ihr Städtchen schöner als manche seiner stolzen, weitgebauten Schwestern. Auch das Land ringsherum war lieblich, nicht Gebirge und nicht Ebene, aber es gab bewaldete Höhen und anmutige Tälchen, es gab auch einen kleinen, schwatzhaften Fluß, Wiesen und Felder. Herr Häferlein fand seine Heimat schön, und es konnte einer von Alpen und Meeren reden und der Pracht des Südens und der ernsten Schöne des Nordens, allemal sagte Herr Häferlein: »Na ja, geht mal bei uns ein paar Stündle spazieren, da könnt ihr schauen, schön ist's, arg schön!«