»So, so, für mich ist der Name recht! Ei, sieh einer an!« Herr Häferlein war ein sehr höflicher, freundlicher Mann; wenn er sich aber ärgerte, dann ging es bei ihm leicht obenhinaus. Er vergaß, daß Kasperle doch noch ein Dummerchen war, und er ließ seinen Laden im Stich, sprang mit ein paar eiligen Sätzen über die Straße, riß in der Apotheke die Türe auf und schrie: »Wo ist Herr Baldrian?«
Nun konnte sich der Provisor über nichts mehr kränken, als wenn man seinen Namen verdrehte. Herr Häferlein tat dies auch ganz ohne Absicht im hitzigen Eifer, aber gesagt war gesagt.
Herr Baldan fuhr ihn an: »Was fällt Ihnen ein, mich so zu nennen? Sie haben wohl noch nicht ausgeschlafen?«
Herr Häferlein blieb die Antwort nicht schuldig. Eins, zwei, drei ging es herüber und hinüber. Bitterböse Worte wurden gesagt, keiner wollte zugeben, er habe unrecht, keiner lenkte ein. Sie schrieen sich beide zornwütig an, und erst als Herr Grill kam und nach dem Grund des Streites fragte, verließ Herr Häferlein fuchswild die Apotheke.
Drüben stand Kasperle am Laden Wache. Das hatte er schon manchmal getan, und er war dann immer für seine Bravheit mit einem Zuckerstengel belohnt worden. Den erwartete er auch diesmal, aber Zuckerstengel sind unzuverlässige Gesellen; wenn man denkt, man hat sie, laufen sie davon. Das arme Kasperle bekam statt des süßen Lohnes Schelte. Herr Häferlein schrie ihn an, er solle nur marsch, marsch nach Hause gehen, und klapp! schlug er ihm die Türe vor der Nase zu.
Der kleine Schelm stand ganz verwirrt auf der Gasse; er fand, sein guter Freund behandele ihn recht schlecht, und weil er gar nicht wußte, was er tun sollte, brach er in ein jämmerliches Weinen aus. Er schluchzte herzbrechend und trottete tiefbetrübt die Gasse entlang an der Rose vorbei. Drinnen hörte es Fräulein Laura, die zum Fenster hinaussah und eben dachte: Das ist doch eine recht schrumpelige, schnurrige kleine Gasse; sie gefiele mir schon, wenn ich nicht drin wohnen müßte. Fräulein Laura war sehr gutmütig, und Kasperles Schluchzen tat ihr leid; sie lief also flugs zum Hause hinaus, hielt den Kleinen draußen fest und fragte ihn nach seinem Leid. Der erzählte treuherzig alles; freilich etwas kunterbunt ging es schon durcheinander. Die freundliche Trösterin hörte aber doch heraus, Herr Häferlein sei böse.
Dieser böse Herr Häferlein trat just vor seinen Laden. Er hatte drinnen auch Kasperles Klagen gehört, und weil sein schneller Zorn schon halb und halb verraucht war, kam er nun doch mit dem Zuckerstengel. Da hörte er Fräulein Laura sagen: »Pfui, er soll sich schämen, dieser schlimme, abscheuliche Herr Häferlein, so einen netten kleinen Jungen wie dich zu ärgern!«
»Ich – ich bin kein Junge!« schluchzte Kasperle.
»Je, was bist du denn?«