»Nun, solange die Amhags in der Löwengasse gewohnt haben, so lange haben sie sich mit ihren Nachbarn gut vertragen. Warum soll das Kind nicht draußen den Nachbarskindern guten Tag sagen? Es fällt ihm kein Stein aus der Krone,« brummte Frau Tippelmann.
Laura gab sich nicht zufrieden, die lief hinaus, um Alette zu holen. Als sie aus der Türe trat, dienerte nebenan vor seiner Ladentüre Herr Häferlein und sagte höflich: »Schön guten Morgen! Gut geschlafen in der Löwengasse?«
Laura fiel ihr Traum ein, und sie lachte. Da verneigte sich Herr Häferlein gleich noch zweimal; ihm gefiel Laura sehr, wenn sie lachte, er mochte überhaupt vergnügte Menschen gern leiden, und darüber vergaß er ganz seinen kleinen schwarzen Namensvetter. Den hatte Alette auf dem Arm, und die Grills standen drumrum, und alle miteinander lachten und schwatzten, als wäre die Gasse eine Familienstube. »Aber Alette,« rief Laura vorwurfsvoll, »du hast ja keinen Hut auf und keinen Mantel an, komm doch herein!«
»Ich friere nicht,« rief Alette vergnügt, »es ist so hübsch draußen.«
»Aber das schickt sich nicht, so auf der Gasse zu stehen.«
Da fielen Alette ihres Großvaters Erzählungen ein, und sie antwortete treuherzig: »Laura, das schadet nichts, Großvater hat auch immer auf der Löwengasse gespielt, und da hatte sein Papa gewiß nichts dagegen.«
»Da hat das kleine Fräulein Amhag schon recht,« sagte Herr Häferlein. »Unsere Breitenwerter Gäßle sind keine solchen wüsten, lauten Straßen, wie man sie in Berlin hat. Na, und namentlich das Löwengäßle!«
»Was sagen Sie? Wüst, die Berliner Straßen?« Laura sah bitterböse aus. »Ich bin nämlich aus Berlin,« rief sie gekränkt, »und habe davon nie etwas gemerkt. Aber Sie vielleicht, waren Sie denn schon dort?«
Der gute Herr Häferlein war wirklich noch nie in Berlin gewesen, und dies schien ihm auf einmal sehr beschämend. Vor lauter Verlegenheit lief er geschwind in seinen Laden hinein, und Laura kehrte ebenfalls in die Rose zurück. Mochte Alette draußen stehen, lange dauerte ihr Aufenthalt in diesem schrecklichen Hause, in dieser schrecklichen Gasse ohnehin nicht.
Alette war putzvergnügt. Die Grills erzählten ihr von der Schule, August wurde bewundert, und dann verabredeten sie sich miteinander, sie wollten am Nachmittag nach der Schule noch ein Weilchen zusammen spielen. Alette sollte zu den Grills kommen, und die wollten ihr das Haus zeigen. »Bei uns tut's fein rieche!« versicherte Trinle.