»Jeder macht's, wie er's versteht,« antwortete Frau Tippelmann kurz.

Hoho! dachte Laura, hier weiß ich auch mal so ein Sprichwort, und sie erwiderte schnell: »Na ja, Bauer läßt nicht von Bauernart.«

Doch Alette rief vorwurfsvoll: »Ach Laura!« Sie blickte ganz ängstlich zu der Hausverwalterin auf. Aber die lächelte sogar ein bißchen und gab gelassen zur Antwort: »Das ist ein richtiges Wort. Ich weiß aber auch eins, das heißt: Bauer werden ist nicht schwer, Bauer bleiben eine Ehr!«

»Frau Tippelmann,« fragte Alette rasch, »mein Großvater hat erzählt, seine Mutter hätte immer viele Sprichwörter gewußt, haben Sie die …« Alette stockte verlegen; eine Urgroßmutter war doch wohl etwas schrecklich Altes, und Frau Tippelmann sah doch noch nicht so alt aus.

»Gekannt,« vollendete die Frau. »Nein, Kind, aber mein Vater hat sie gut gekannt, der wußte auch von ihr viele, viele Sprichwörter. Deinen Großvater habe ich mal gesehen, da war ich ein ganz kleines Ding, als er fortzog seinen älteren Geschwistern nach. Er war damals sechzehn Jahre.« Frau Tippelmann sagte nicht: Ich habe auch Amhag geheißen, bin eigentlich eine Großtante von dir; sie ging still hinaus, denn sie war zu bescheiden und zu stolz zugleich, um sich den reichen Verwandten aufzudrängen.

»Die gefällt mir nun ganz und gar nicht,« sagte Laura hinter ihr her. »Brr, der reine Sauertopf! Gut, daß wir bald wieder weggehen!«

Damit war Alette nicht einverstanden. »Ich will nicht weggehen,« rief sie, »ich will hierbleiben und mit in Trinles Schule gehen. Gleich schreib ich das an meinen Papa.«

»Tu das nur,« riet Laura, »da hast du etwas zu tun.« Sie dachte bei sich, ehe der Brief ankommt, hat uns Frau van Bachhoven längst fortgeholt. Bis dahin will ich mir aber doch noch dies närrische Nest ansehen.

Alette war gerade mit ihrem Brief fertig, da kam Kasperle, seine neue Freundin und Augustle zu besuchen, und der Vormittag verging rasch. Laura hatte mit Auspacken und Einräumen zu tun und konnte nicht einmal die Nase vor die Türe stecken; sie tröstete sich aber selbst: Nachmittags gehen wir spazieren. Daran, daß man einfach ohne Hut und Mantel auf die Gasse laufen könnte, dachte sie nicht, und sie erschrak sehr, als sie von Frau Tippelmann hörte, Alette sei draußen.

»So, wie sie geht und steht?« rief Laura entrüstet. »Unsere Alette ist ein vornehmes Mädchen, für die ist so etwas nicht.«