»Aber hört doch,« rief Gundel erschrocken ob dieses Geschreis, »sie will euch doch gar net heiraten!«
»Warum denn net?« Peter und Mathes fragten es erstaunt wie aus einem Munde; sie selbst fanden ihren Plan, Alette Amhag dereinst aus Dankbarkeit heiraten zu wollen, wundervoll.
Gundels sanfte Augen füllten sich mit Tränen, und sie sagte traurig, so recht aus bekümmertem Schwesternherzen: »Weil – ach, weil sie euch doch alle die wüsten Sternbuben nennen und – und – euch niemand im Gäßle leiden mag!«
Das stimmte nun freilich, nur vergaßen es die beiden immer wieder. Das Erinnern daran aber war schmerzlich. Die Bübles verschwanden jäh wieder unter ihren Deckbetten, und aus der Tiefe klang nun ein dumpfes Ächzen und Heulen; sie fühlten beide, wie schwer es ist, in einem so schlimmen Ruf zu stehen. Zuerst steckte Mathes seine Nase wieder heraus; er jammerte: »So arg ist's doch net!« Da kam auch Peters Kopf zum Vorschein; der kleine Stöpsel heulte: »Wir meinen's doch net so!«
»Mina kommt,« sagte Gundel plötzlich erschrocken. Jemand kam die Treppe herauf, ging draußen entlang, und die drei hielten fast den Atem an; sie sollten eigentlich schon schlafen, und heute mochten sie nicht gerade Minas Zorn reizen. Die Schritte entfernten sich, und Gundel schlich sich hastig aus dem Zimmer, ihr Lichtlein vorsichtig in der Hand tragend. Nun war es dunkel und still in der Stube der Sternbuben, und der Schlaf hätte kommen können. Aber die beiden, die sonst schliefen, ehe sie noch recht im Bett drin waren, lagen noch eine Weile wach; zum erstenmal bedrückte es sie, daß die Löwengasse sie nicht leiden mochte. Um Alettes willen hätten sie schon gern einen bessern Ruf gehabt. Und Peter sagte plötzlich in das Dunkel hinein: »Morgen sind wir brav.«
»Ja,« murmelte Mathes kleinlaut, »aber – die Schularbeiten!«
Da seufzten sie beide tief und schwiegen – die Schularbeiten hatten sie beide nicht gemacht.
Als die Sternbuben am nächsten Morgen aufwachten, hatten sie, merkwürdig genug, die guten Vorsätze des Abends nicht ganz vergessen. Daher rasten sie nicht wie sonst der Schwester davon, sondern warteten auf sie. Sie fanden nämlich auch, es ginge sich leichter zu dreien an Herrn Häferleins Laden vorbei.
Der Kaufmann stand nicht vor seiner Türe; der saß verdrießlich innen. Hätte er zwei linke Füße gehabt, er wäre an diesem Morgen mit ihnen beiden zuerst aufgestanden, so schlecht war seine Laune. Trotzdem war der Schulweg nicht lustig für die Sternbuben, und in der Schule erging es ihnen auch übel genug. Man narrt nicht ungestraft seine Kameraden, dies bekamen sie an diesem Morgen reichlich zu spüren.