»Eine Schwarze!« brüllten die Sternbuben, »wirklich, eine Schwarze!«
Das schien die Dame sehr übel zu nehmen, sie fauchte die arme Frau Tippelmann, die noch kein Wort gesagt hatte, zornig an: »Was ist das für ein Empfang, und was will dieser Mann da?« Sie deutete mit einem Schirm auf Herrn Häferlein, der sich vor Schreck gleich dreimal verbeugte. Die Fremde achtete nicht darauf, sie musterte das Haus von oben bis unten und sagte verächtlich: »Dieser alte Ziegenstall da soll doch nicht etwa Herrn Amhags Villa sein?«
Ein Ziegenstall, das schöne alte Rosenhaus!
Herr Häferlein, der schon manchem Fremden über das schöne Haus Auskunft gegeben hatte, blickte entsetzt zu der schwärzlichen Dame empor. »Das wird ja eine angenehme Nachbarin werden!« murmelte er.
»Starren Sie mich nicht so an, Sie da!« rief diese. »Ich bin nicht schwarz, ich bin weiß, weiß!«
»Alle Wetter, wenn sie weiß ist, dann ist mein Kakao gewiß Weizenmehl!« flüsterte der Kaufmann. Er wollte gerade die Flucht ergreifen, denn die Dame wurde ihm ungemütlich, als ihm ziemlich unsanft eine Hutschachtel an den Magen sauste. »Sie da, guter Mann, helfen Sie mir mal!« rief aus dem Wagen heraus eine hohe, dünne Stimme. »Ich steig jetzt aus. Das Haus wird es schon sein, wenn es auch eine alte Rumpelbude ist.«
Schwuppdiwupp! kam eine zweite Hutschachtel aus dem Wagen, eine Schirmrolle folgte, ein Handkoffer rasselte nach, und Herr Häferlein wußte nicht, wo er zuerst anfassen sollte. Zuletzt hüpfte ein sehr zierlich gekleidetes Fräulein aus dem Wagen, das nun wirklich weiß und, wie Herr Häferlein fand, sehr hübsch war. Ihr nach sprang ein kleines schwarzbraunes Tier, das von der Löwengasse, soweit sie nämlich zweibeinig den Kraftwagen umstand, mit dem lauten Zuruf begrüßt wurde: »Ein Affe, ein Affe!«
»Narren und Affen alles begaffen,« brummte Frau Tippelmann, der zur rechten Zeit eins ihrer geliebten Sprichwörter einfiel. Damit hatte sie sogleich ihre Verwirrung über die unerwartete Ankunft der seltsamen Gäste überwunden. Sie knickste höflich vor der schwärzlichen Dame und sagte: »Das ist wirklich Herrn Amhags Haus, und die gnädige Frau ist gewiß Herrn Amhags Schwägerin mit Fräulein Tochter.«
»Das bin ich gewiß nicht! Ich bin Frau van Bachhoven, und wenn hier in dem jämmerlichen Nest jemand ein Fünkchen Verstand hätte, dann wüßte er, was das bedeutet. Bachhoven, Kaffeegroßhandlung; den Kaffee von Bachhoven kennt die ganze Welt.«