»Hoho, so frech!«

»Tutututut!«

Ein Auto! Aller Streit verstummte jäh, und im höchsten Erstaunen starrten alle miteinander dem seltenen Gefährt entgegen, denn das war um diese Morgenstunde in der Löwengasse von Breitenwert ein so ungewöhnliches Ding, wie es ein Papagei im Sperlingsnest ist.

Stopp, hielt das Gefährt an.

»Heda, Jungens, in der Gasse hier soll ein Haus zur Rose stehen, wo ist das denn?« rief der Wagenlenker den Kindern zu.

Die Buben, die sich soeben noch wütend gestritten hatten, lachten hell auf, denn daß einer nach einem Hause fragt, vor dem er steht, erschien ihnen höchst sonderbar. Nur der höfliche Herr Häferlein zeigte, daß gute Lebensart auch in der Löwengasse zu finden war; er verneigte sich tief, trat an den Wagen und sagte lächelnd: »Mit Verlaub, da steht Ihnen die Rose vor der Nase, und vor der Rose steht Frau Tippelmann, und gewiß sind die Herrschaften die neuen Bewohner. Ich hoffe auf die allerwerteste Kundschaft, habe gerade frische Heringe bekommen, und mein Kaffee ist ausgezeichnet und …«

»Quatschkopf!« schrie von innen eine rauhe Stimme.

»O du lieber Himmel!« Der höfliche Kaufmann prallte entsetzt zurück. »Frau Tippelmann,« stöhnte er, »da drinnen sitzt 'ne Schwarze!«

»Wer sitzt da drinnen, wie nennt man mich?« Die Wagentür flog auf, und heraus stieg eine sehr stattlich angetane, sehr dicke Dame. In ihren Ohren, an ihrer Brust und ihren Händen funkelten und blitzten große Diamanten, ein von Federn umwallter Hut saß ihr auf dem Kopf, und bei jeder Bewegung knisterte und rauschte die Seide ihrer Gewänder.

»Fein,« sagte eine Magd, die eigentlich zu Herrn Häferlein wollte, aber nun auf der Gasse stehen geblieben war, »fein, aber schwarz ist sie wirklich!«