Neuntes Kapitel.
April, April!

Die Sternbübles helfen ihrem Oheim aufräumen, und Mina muß Kleister kochen. Was der Mond sieht, warum er sich über die Wolken ärgert. Die Breitenwerter erleben eine Überraschung. Herr Schmidt und noch mehr Leute ärgern sich, und August ist da, wo er nicht sein soll.

Die Kinder aus der Linde fürchteten sich ein wenig vor Herrn Baldans Scheltworten und spitzen Reden bei ihrer Heimkehr. Aber Wunder über Wunder! Herr Baldan redete sanft wie Honigmilch. Er lachte und scherzte mit den Geschwistern über das Kellerabenteuer, nannte Frau Tippelmann eine prächtige Frau und sagte kein böses Wörtlein. Herr Baldan war so vergnügt wie seit langem nicht, weil er sich mit seinem Freund Häferlein ausgesöhnt hatte.

Der Provisor gehörte zu den Leuten, die schwer die Bitte »Verzeih mir!« sagen können. Sie leiden im Herzen, quälen sich Tag und Nacht, möchten gern versöhnt sein, wissen auch ihr eigenes Unrecht und bringen doch das kleine Wort »Vergib!« so schwer über ihre Lippen. Schreck und Angst hatten die Freunde wieder zusammengebracht, und nun saß Herr Baldan in der Apotheke, scherzte mit den Kindern und hätte am liebsten alle bitteren Pülverlein und Pillen, die er zu mischen und zu rollen hatte, in Zucker getaucht. Andere sollten auch froh sein, andern sollte auch alles honigsüß schmecken.

Herr Häferlein saß nicht minder vergnügt in seinem Lädchen. Sein Gesicht glänzte vor Freude, und wenn jemand kam und zu ihm sagte: »Ach, Herr Häferlein, was haben Sie wieder für einen Schreck gehabt!« dann sagte er allemal: »Gar nicht schlimm war es, ein rechter Spaß!«

Natürlich redeten die Leute in der Löwengasse viel von dem Einbruch bei Herrn Häferlein; sie lachten darüber, weil der Kaufmann lachte, und am liebsten wären sie alle in den Keller geklettert und hätten sich das Loch angesehen. Am allerliebsten aber hätten dies die Sternbuben getan. Denen war es bitter leid, nicht dabeigewesen zu sein. Sie klagten grollend der Schwester: »Wenn wir so etwas machen, geht's uns gleich schlimm!«

Damit hatten sie nun freilich recht, sie vergaßen nur einmal wieder, daß sie sehr oft dumme Streiche begingen und in ihrem Schuldbuch schon viele schwarze Striche standen. Im Ärger, nicht dabeigewesen zu sein, vergaßen sie auch wieder ihre guten Vorsätze vollständig, die vergingen wie der Schnee, der am letzten Märztag auf alle leise keimende Frühlingsherrlichkeit niedersank. Es wurde recht ein Wetter, wie es der April liebt, Regen, Schnee, Sonnenschein und Wind, und Frau Tippelmann sagte: »Na ja, man merkt es, morgen ist erster April, ist der noch so gut, er schickt dem Bauer doch Schnee auf den Hut.«

»Morgen ist erster April.« Die Sternbuben sagten das zueinander; ein wenig trübselig klang es. Sie standen im Torweg des Silbernen Stern und schauten dem Flockentreiben zu, aber die großen weißen Flocken brachten ihnen keinen guten Einfall für einen Aprilscherz. Sie hätten gar zu gern einen Spaß gemacht, hätten gar zu gern jemand recht tüchtig in den April geschickt, aber nichts fiel ihnen ein. Sie wußten auch ganz genau, man würde ihnen morgen aus dem Wege gehen. Mina hatte schon gedroht: »Wenn ihr morgen mit euren Narreteien anfangt, dann wehe euch!«

»Mathes, Peter,« rief da innen der Mutter Stimme ihre Namen. Ein Weilchen hörten sie beide träge an dem Ruf vorbei, endlich, da die Mutter ungeduldig zu werden schien, trotteten sie in das Haus hinein. Sie gingen wie ein paar müde alte Männlein vor Faulheit, als sie aber von der Mutter hörten, sie sollten dem Onkel Adam frische Wurst hintragen, da wurden sie schnell putzmunter. Zu dem Onkel Adam gingen sie immer gern. Der besaß einen Papierladen und hatte lauter Dinge zu verkaufen, die Mathes und Peter immer brauchten. Sie verloren viele Stifte und verschmierten viele Hefte, sie liebten außerdem sehr buntes Papier, Taschenmesser, Blaustifte und dergleichen, und alles das gab es bei Onkel Adam mitunter als Bringelohn.