»Doch, kommen Sie durch das Loch wieder mit hinaus, da werden Sie es sehen,« brummte Frau Tippelmann. Sie hielt ihr Licht hoch und beleuchtete die verborgene Tür. »Hier geht es durch,« sagte sie, »und verwunderlich ist die Sache nicht. Die Häuser gehörten früher beide den Amhags, da mag der Keller angelegt worden sein. Übrigens ist es ein rechtes Rattenloch, darum –«

»Hui, hui!« Laura, Alette, Trinle und Kasperle flüchteten kreischend, und dabei rannten sie beinahe Herrn Häferlein und Herrn Baldan um. Die purzelten gegeneinander und kamen so zu einer zweiten Umarmung an diesem Tage.

Flink, flink, flink kletterten die Angsthasen die Treppe hinauf. Veit und Steffen zögerten noch, aber da erzählte Frau Tippelmann gelassen weiter: »Ja, Ratten gibt's in Massen hier, sie haben immer alles angefressen und –«

Da kletterten auch die Buben sehr geschwind die Treppe hinan, und Frau Tippelmann sah ihnen lächelnd nach und sagte schmunzelnd: »Angst macht nicht allein ein altes Weib traben, es bringt auch junge Fürwitze auf die Beine. Übrigens brauchen Sie keine Sorge zu haben, Nachbar Häferlein, so schlimm ist es mit den Ratten nicht; ich wollte dem Kindervolk nur die Kellerreisen vergraulen.«

Das war Frau Tippelmann freilich gelungen. Als sie wieder nach oben kam, nachdem sie unten die Türe sorgfältig verwahrt hatten, fand sie Alette und ihre Gäste ein wenig bedrückt beieinandersitzen, Laura dabei mit einem Gesicht wie eine Gewitterwolke. Jetzt kommt's, dachte die. In diesem gräßlichen Nest, in diesem gräßlichen Haus muß man sich wirklich noch von einer alten Frau ausschelten lassen.

Doch Frau Tippelmann schalt nicht; sie schaute nur die blasse Alette besorgt an, dann sagte sie: »Ich bringe euch noch heiße Milch, Kuchen ist auch noch da; nach der Kellerluft wird ein heißer Trunk euch gut tun. Wenn ihr einmal wieder auf Entdeckungsreisen ausgehen wollt, fragt lieber vorher, ob ihr dürft.« Die Frau nickte den Kindern zu und ging hinaus, und kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, da rief Trinle: »Sie ist gar net bös.«

»Nein, sie ist gut,« sagte Alette leise, aber Laura hörte es doch, und Laura ärgerte sich. Und dann, als die Kinder schmausten, ging sie wieder in ihr Zimmer und schrieb eilig den Brief fertig, in dem stand: »Alette wird hier ganz verdorben, es ist gar kein Umgang für sie, sie muß fort, nächste Woche schon.«