»Nein, ein Töpfle muß es sein, ein großes Töpfle voll,« riefen die Buben einstimmig. »Pah, ein Täßle ist viel zu wenig!«
Weil im Silbernen Stern nun ohnehin mehr große als kleine Töpfe auf dem Herde standen, dachte Mina, es kommt ja nicht darauf an, und kochte einen Litertopf Kleister, mit dem die Buben vergnügt von dannen zogen.
Sie waren an diesem Nachmittag weiter sehr brav, machten ihre Schularbeiten, spielten mit Gundel und gingen so nett und brav ins Bett, als wären sie nie in ihrem Leben die wilden Sternbübles gewesen.
Es war an diesem Abend in dem Gasthaus viel zu tun, eine große Hochzeit wurde darin gefeiert, und Wirtin wie Dienstleute hatten alle Hände voll zu tun. Nach den Kindern zu sehen, dazu hatte niemand Zeit.
Am Himmel zogen dunkle Wolken dahin, Sturmwolken, Regenwolken, und der Mond hatte seinen rechten Ärger mit ihnen. Der hatte ohnehin ein schiefes Gesicht, eine dünne und eine dicke Backe; vor lauter Verdruß wurde es aber noch schiefer. Unten in Breitenwert gab es etwas höchst Sonderbares zu sehen, doch gerade wenn der gute Mond recht genau hinschauen wollte, husch, husch! flog ihm so eine dumme dunkle Wolke am Gesicht vorbei. »Was fällt euch ein, ihr naseweises Luftgesindel!« schalt er. »Weg mit euch, ich will sehen, was – – –«
Rutsch! saß ihm eine kohlschwarze Sturmwolke vor der Nase, die heulte: »Schimpf nicht, alter Gesell, morgen ist erster April, da müssen wir da sein.«
»Und ich muß aufpassen, was da unten geschieht; Platz da!« schrie der Mond. Er wehrte sich, sah über die Wolke hinweg auf Breitenwert hinab und rief: »Nein, die Sternbübles, was wollen denn die bei Nacht auf dem Obermarkt, sie – – –«
»Man muß nicht neugierig sein, alter Papa,« mahnte eine große Schneewolke und setzte sich dem Mond auf den Kopf. Da konnte er gar nichts mehr sehen. Eine Weile balgte er sich mit den Wolken herum, und als er wieder etwas sehen konnte, da erblickte er die Sternbuben in einem Torweg. Wie sein Licht sie traf, wichen sie noch mehr zurück, und er konnte nicht einmal sehen, was sie eigentlich in der Hand hatten. »Die Sache muß ich mir ganz genau ansehen; mit den Sternbübles ist's nicht geheuer,« brummte der Mond, aber da kamen die Wolken wieder, der Kampf begann von neuem, bis es der Mond müde wurde. Ganz blaß und angegriffen rief er noch der Sonne zu: »Na, meine gute Sonne, nun ärgere du dich!«
Die ärgerte sich und schalt, und die Menschen auf der Erde ärgerten sich auch und schalten und namentlich die Bauersleute, die in aller Morgenfrühe nach Breitenwert fuhren, um dort auf dem Wochenmarkt die Butter, und was sie sonst noch hatten, zu verkaufen. Die Bauern kamen immer zeitig zur Stadt; meist packten sie schon die Waren aus, wenn die Städter ihre Geschäfte erst aufschlossen, und wenn die Kinder zur Schule gingen, war der Marktbetrieb meist schon im Gange. An diesem Tage aber herrschte auf dem Obermarkt ein besonderes Leben. Da drängten sich die Landleute vor einem Laden zusammen, jeder wollte der erste Käufer sein, wenn aufgemacht wurde. In dem Geschäft gab es Wirtschaftsgeräte zu kaufen, Teller, Tassen, Schüsseln, Butterdosen, Kannen, Gläser, was man nur wollte. Der Besitzer, Herr Schmidt, pflegte zu sagen: »Ich habe ein feines Geschäft, eins wie in einer Großstadt.« Das war wirklich beinahe so, selbst Fräulein Laura hatte in diesem Geschäft nicht die Nase gerümpft, wie sie es in den Breitenwerter Läden zu tun pflegte.
Die Landleute kauften sonst nicht viel bei Herrn Schmidt, der war ihnen zu fein und zu teuer. An diesem Tage hatte aber auf einmal jeder Lust, etwas zu kaufen, und als Herr Schmidt von innen den Rolladen hoch zog, erschrak er sehr vor den vielen Menschen, die draußen standen. Was wollten sie nur alle bei ihm?