»Aber –« Auf einmal blieb Herrn Schmidt die Sprache ganz weg. Was war denn das, was stand da an seinem Laden angeschrieben? »Das ist falsch, das ist falsch,« rief er, »das stimmt nicht, ich habe keinen Ausverkauf!«

»So? Ei, das wäre doch, da steht's ja!«

Wohl zwanzig dicke und dünne Zeigefinger deuteten nach Herrn Schmidts Laden hin; da klebten überall große Zettel, auf denen stand: »Gänzlicher Ausverkauf,« und auf zwei Zetteln stand noch: »Jedes Stück nur fünfzig Pfennige.«

»Was, das soll ich angeklebt haben?« rief der Kaufmann empört. »Ich will ja gar nichts ausverkaufen, fällt mir nicht ein! Was, und fünfzig Pfennig sollen meine guten, teuren Sachen nur kosten? Ei, das wäre ein Spaß!«

»Vielleicht ist's auch nur ein Spaß,« sagte ein alter Bauer plötzlich bedächtig dazwischen, »heute ist ja erster April.«

»Pfui, Herr Schmidt, wie können Sie uns so zum Narren halten!« rief es gleich da und dort, und der arme Herr Schmidt hatte Not und Mühe genug, es den Leuten begreiflich zu machen, daß er wirklich nichts dafür konnte, gar nichts, er sei selbst genarrt worden. Etliche glaubten ihm dies sogar erst, als ein paar Buben angerannt kamen, die erzählten, auf dem Untermarkt, vor dem Zuckerwarenladen von Frau Kümmel sei es genau so, dort wäre auch ein Ausverkauf angezeigt, und man hätte die arme Frau Kümmel in ihrem Laden beinahe erdrückt.

»So etwas, nein, so etwas!« riefen die Leute. »Was auch alles in Breitenwert vorkommt! Wer mag es nur gewesen sein?«

Ja, wer? Man redete noch hin und her, da kamen ein paar aus der Löwengasse gelaufen, die erzählten, an der Lindenapotheke klebten Zettel, auf denen stehe: »Neue Heringe.« Darüber sei Herr Baldan fuchswild, und Herr Häferlein schimpfe auch, denn an seinem Hause stünde überall: »Wohnung zu vermieten,« und allemal darunter: »Herzlich willkommen!«

Es war kein Wunder, daß die Buben und Mädel, die am Obermarkt, in der Löwengasse und am Untermarkt wohnten, nur gerade noch im letzten Augenblick in die Schule kamen. Ja etliche konnten sich gar nicht losreißen, die rannten erst noch einmal dahin und dorthin, jeden Zettel staunten sie an, und natürlich kamen sie zu spät zur Schule, und natürlich gehörten zu denen die Sternbuben. Die hatten blinkeblanke Augen und wußten viel zu berichten, wie es da hergegangen war, hier bei Herrn Schmidt und da bei Frau Kümmel. Wenn aber jemand sagte: »Wer es nur gewesen sein mag?« dann guckten die Sternbuben in die Luft, als ginge der ganze Lärm sie gar nichts an.