Es war wirklich August gewesen. Der Schelm war durch ein Fenster der kleinen Ladenstube, das nach dem Garten der Rose hinaussah, hereingeklettert, und Fritz hatte in seiner Schläfrigkeit erst lange nichts von des Äffleins unnützem Wesen gemerkt; als er es melden ging, war schon viel Unheil geschehen. August hatte überall genascht, hatte Tüten abgerissen, Kästen heruntergeworfen, und kein Mensch konnte es Herrn Häferlein verdenken, daß er bitterböse war. Er schalt heftig, Herr Baldan schalt noch heftiger, und der Bäckermeister rief, man müsse dem schwarzen Ungetüm das Genick umdrehen. Die Sternbübles hörten das draußen, und sie fanden es sehr hart und böse; sie liefen alle beide zur Rose, rissen stürmisch an der Klingel und schrieen Frau Tippelmann entgegen: »August wird umgebracht; Herr Häferlein dreht ihm den Hals um!«

»Quatsch! Ihr denkt wohl auch, am ersten April schickt man die Narren, wohin man sie will?« rief Frau Tippelmann und schlug den beiden die Türe vor der Nase zu.

Da merkten sie, daß es manchmal für die schwer ist, Glauben zu finden, die die Leute einmal für Schelme halten. Doch Alette Amhag hatte auch der Buben Angstgeschrei gehört, und sie hielt es nicht für einen Aprilscherz, so oft ihr dies Frau Tippelmann auch versicherte. Sie wollte hinaus, wollte ihrem kleinen Liebling helfen. Da öffnete Frau Tippelmann wieder die Türe, und als die Sternbuben Alette sahen, brachen sie in ein gellendes Jammergeschrei aus. »Er bringt ihn um, er bringt ihn um; Herr Häferlein macht August tot!«

Dies angstvolle Rufen lockte Laura herbei, es lockte auch die Grillschen Kinder auf die Straße, es lockte da und dort jemand ans Fenster, und der gute Herr Häferlein hatte wieder einmal recht zu seinem Ärger Neugierige genug um seinen Laden. Alle riefen sie nach August, und darüber ärgerten sich die beiden Auguste mehr und mehr. August Baldan sagte zu August Häferlein: »Es ist eine Schande, unsern schönen Namen einem Affen zu geben,« und August Häferlein rief dem schwarzen kleinen August wütend zu: »Na, warte nur, wenn ich dich erst habe!«

»Pfui, Herr Häferlein, wie hartherzig Sie sind!« sagte da Laura, die just hinter Alette den Laden betrat. »Unsern armen kleinen August wollen Sie töten?«

»Der Himmel bewahre mich,« rief Herr Häferlein entrüstet, »so etwas habe ich nie gewollt, so grausam – – –«

»Herr Häferlein macht den August tot,« brüllten draußen die Sternbuben so lange, bis Herr Baldan scheltend aus dem Laden herauskam und mit einem finsteren Gesicht Ruhe gebot. Da erschraken Mathes und Peter doch darob ganz ungeheuer.

Innen hatte inzwischen Alette Amhag ihr Äffchen zärtlich gelockt. Das war auch gekommen, und Herr Häferlein tat ihm nichts, ja er sagte sogar gutmütig: »Hoffentlich hat er sich nicht den Magen verdorben!«

Dies war nun wirklich nett von Herrn Häferlein. Alette spürte es dankbar, und dankbar gab sie dem Kaufmann die Hand und versicherte dann: »Augustle hat's nicht böse gemeint. Er ist so lieb!«