Na ja! Herr Häferlein lächelte zwar ein wenig sauersüß, aber er öffnete doch höflich selbst die Türe und ärgerte sich dann wieder über das laute Geschrei, das Alette empfing. »Er lebt, er lebt, Augustle ist nicht tot!« brüllten die Kinder, am lautesten wieder die Sternbuben. Die drängten sich auch keck und unverzagt mit vor, und Alette lächelte ihnen zu, ja Augustle ließ sich von ihnen streicheln, und so standen die Sternbübles plötzlich im Kinderkreis, als wären sie mit allen gut Freund. Das gefiel ihnen wohl, und als Laura sie nach ihren Namen fragte, gaben sie so nett und bescheiden Antwort, verbeugten sich so höflich, daß selbst Herr Baldan dachte: »So übel sind sie eigentlich nicht, die Sternbübles.«

Und gerade da kam der Onkel Adam Hinz durch die Löwengasse, neben ihm ging Herr Schmidt, und ehe die beiden Schelme noch an Ausreißen denken konnten, fühlten sie sich ergriffen, und Herr Schmidt sagte zornig: »Jetzt sollt ihr mir mal sagen, wer bei mir die Zettel angeklebt hat, kommt mal mit!«

Da gab es kein Sträuben, selbst Alettes angstvolles Rufen half nichts. Herr Schmidt nahm Mathes, Onkel Adam nahm Peter, und so ging es in den Silbernen Stern hinein, und dort gab es ein böses Strafgericht.

»Die Sternbuben sind's gewesen, natürlich, wer anders als die Sternbuben!« sagten sie in der Löwengasse, auf dem Obermarkt und dem Untermarkt. »Das konnte man sich denken! Wie soll es nur noch einmal mit den Buben werden, die geraten nicht gut!«

Im Silbernen Stern, ganz allein in einem der großen Zimmer des altertümlichen Hauses aber saß eine, die den allertiefsten Kummer um die schlimmen Bübles im Herzen trug, das war Gundel. Die weinte und weinte und meinte, sie könnte nimmer froh werden vor Scham und Trauer. Sie wollte ihnen zürnen und konnte es doch nicht, denn leise, leise klang und tönte in ihrem Herzen ein Glöckchen, das hieß Vertrauen. »Sie sind nicht so schlimm, sie sind nicht so schlimm,« tönte das fort und fort. Zuletzt faltete Gundel die Hände und betete in ihres Herzens tiefer Not: »Lieber Gott, hilf, mach, daß alle im Gäßle die Bübles liebhaben! Lieber Gott, sie sind wirklich net so bös, glaub es, sie sind net bös!«


Zehntes Kapitel.
Frühlingsregen.