Weit hin dehnt sich das Land, kein Hügel, keine Berge hemmen den Blick. Wogende Felder, grüne Wiesen, Seen, die wie flüssiges Silber blinken und hin und wieder ein Stück Wald, darin die weißen Stämme der schlanken Birken hell hervorleuchten und das alles überspannt vom tiefblauen Himmel, überflutet von heißem Sonnenglanz.
Auf den Feldern sind die Leute beschäftigt, den goldenen Segen einzuernten. Der Vogt steht dabei und versucht die Leute mit kräftigen Fluchworten zu schnellerer Arbeit anzuspornen; nur manchmal hält er inne, um einen Schluck aus seiner Wudkiflasche zur Stärkung zu nehmen.
Wie Feuer durchrieselt es ihn, immer sengender wird die Glut, nirgends kühler Schatten, es flimmert und flirrt, tanzt und schwankt um ihn her. Immer kleiner werden die schwarzen Mongolenaugen, matter die Flüche von seinen Lippen, schließlich läßt er sich auf einem Feldsteine am Wege nieder, blinzelt noch ab und zu nach den Leuten hinüber, dann sinkt der Kopf tief auf die Brust und regelmäßige Atemzüge verraten bald den Schlaf des treuen Wächters.
»Er schläft,« raunen sich die Arbeiter zu und aufatmend lassen sie die Sensen sinken, die Frauen hören mit dem Zusammenbinden der Garben auf und beginnen halblaut mit einander zu schwatzen. —
Auf dem Wege, der dicht an dem Felde vorüber führt, kommt ein Mann daher in langsamen, gleichmäßigen Schritten, wie einer, dem es nicht sonderlich eilt. Es ist eine hohe Gestalt mit langherabwallendem, blonden Bart und kühn geschnittenem Gesicht. Seine einfache dunkle Kleidung verleiht ihm beinahe das Aussehen eines Priesters.
»Gebenedeit sei der Herr Jesus Christus!« grüßt er laut, als er den Schnittern nahe ist.
Die Mädchen kichern und die Männer wenden sich verdrossen ab, nur ein alter Mann erwidert mürrisch den Gruß und sagt:
»Von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen!«
Der Vogt, der von dem Schalle der Stimmen erwacht ist, fährt scheltend empor.
»Stört der Ketzer, der Tagedieb uns noch in der Arbeit?« dann folgt dem ruhig Weiterschreitenden eine Flut von Schimpfworten nach, vermischt mit dem schadenfrohen Lachen der anderen.