Der Gehöhnte findet kein Wort der Erwiderung, aber in seinem Gesicht liegt der Ausdruck tiefer Bitterkeit und seine grauen Augen streifen mit wehmütigem Blick die schimmernde Welt um ihn her.
»Immer das alte Lied,« murmelte er. »Haß und Mißgunst auf jedem Schritt,« und dann hebt er plötzlich mit bittender Geberde die Arme zum Himmel empor:
»Oh, mein Gott, hilf mir zum Frieden, gieb mir die Kraft dazu, den Kampf zu bestehen!« Wie eine Bitte und Forderung zugleich, ringen sich die Worte von seinen Lippen.
Vor dem Wanderer taucht endlich ein Dorf auf, kleine mit Stroh gedeckte Hütten, hin und wieder ein Haus aus roten Ziegeln, aber nirgends ein Gärtchen davor, selten nur als Schmuck eine Staude leuchtender Sonnenblumen oder bunter Malven. Hinter den erblindeten Fenstern kein Vorhang, höchstens ein Rosmarintopf.
Die Straße, die das Dorf durchschneidet, zeigt Wellenlinien, tief ausgefahrene Gleise, ab und zu ein großer Stein darin, den aus dem Wege zu schaffen, sich niemand die Mühe nimmt. — Gänse und kleine Kinder vollführen einen hellen Lärm, Schmutz, wohin man sieht, aber alles überflutet von der leuchtenden Sonne.
Vor seinem Hause sitzt Wolf Schmul; ein Schild über der Thür verkündet, daß es hier Schnaps, Bier, Seife, Zwirn, Zucker, Heringe und dergleichen mehr zu kaufen giebt. Er dreht die Daumen und rechnet, den Gruß des vorübergehenden Mannes erwidert er durch ein verstohlenes Nicken.
»Der Michael Wisniewski braucht nichts von ihm, warum soll er, Wolf Schmul, da höflich sein? Aber unhöflich auch nicht, denn der Michael könnte doch einmal mit ihm ein Geschäft machen,« darum erwidert er seinen Gruß, es sieht's ja keiner.
In dem Pfarrhause sind die grünen Fensterläden geschlossen, der Wanderer zögert, wirft einen halb sehnsüchtigen, halb trotzigen Blick hinüber, dann geht er weiter. Hinter ihm tönt das Gejohle der Kinder und in angemessener Entfernung folgt ihm die kleine Herde nach.
Endlich sein Heim, er atmet auf!