Von einem Garten umgeben, in dem es blüht in allen Farben, steht ein kleines, rotes Ziegelhaus, das sich von den anderen nur dadurch unterscheidet, daß hier spiegelnde Sauberkeit herrscht. Die Thür schließt sich hinter ihm, aber noch immer ertönt von draußen Geschrei, und häßliche Schimpfworte fliegen ihm nach, bis eine mächtige Dogge aus dem Hause tritt und ihr tiefes, zorniges Gebell die Kinderschar von dannen scheucht.

Der Mann ist über den halbdunklen Flur geschritten und betritt ein großes Zimmer, das behaglich eingerichtet, nicht den Eindruck einer Bauernstube macht. Er läßt sich auf einer Bank am Ofen nieder, seine Züge sprechen von seelischer Ermüdung und wie er so vor sich niederstarrt, graben sich die Falten auf seiner Stirn immer tiefer ein.

Da wird draußen auf den Fliesen des Flures ein schlürfender Schritt hörbar, die Thür des Zimmers öffnet sich und ein Mann tritt herein; der Kopf eines Fanatikers auf einem kleinen, verwachsenen Körper. Er schreitet auf den am Ofen Sitzenden zu und legt seine Hand auf dessen Schulter.

»Michael, Michael!« Dieser sieht auf mit leerem, trostlosem Blick.

»Benjamin, hast Du es wieder gehört, wie sie mich verfolgten, wie sie mich höhnten, mich, den Ketzer, den Ausgestoßenen?«

»Ha, ha!« mit schrillem Lachen sprang er auf, »lache doch mit, Benjamin, lache doch über mich Thoren, der hier sitzt in der alten Heimat, der um sie wirbt, wie um eine spröde Schöne. Lache doch mit mir, Benjamin, über diese Thorheit, über meinen Wahnwitz, daß ich mir einbilde, ich könne den Leuten hier helfen, sie herausholen aus diesem Dunst von Aberglauben, Dummheit und Branntwein. Ein Prophet wollte ich ihnen sein, wollte ihnen den Bann zeigen, in dem sie leben, wollte sie los lösen aus — — ach, was wollte ich nicht alles und was habe ich erreicht? Was bin ich ihnen? Ein Ketzer, ein Fremdling in der Heimat, ein Thor, ein rechter Thor,« und er sank wieder auf die Bank und barg das blonde Haupt in den Händen.

»Fort möchte ich, fort zu dem stillen Frieden des Sanddorfes hinauf, zu Tabea zurück,« stöhnte Michael.

Es schien, als wachse die Gestalt des Kleinen, ein Ausdruck finsteren Hasses trat in sein Gesicht, die Augen wurden fast schwarz vor Erregung.

»Fort willst Du, Michael, das begonnene Werk feige im Stich lassen? Du, ein Auserwählter, reut Dich so schnell der geleistete Schwur? Wehe Dir, Michael, wenn Du auf halbem Wege umkehrst!« Seine schmale, knöcherne Hand faßte mit eisernem Druck die Schultern des anderen und schüttelte ihn: