»Hörst Du, Michael, Du darfst nicht umkehren, darfst dem großen Werke nicht untreu werden!«

Langsam glitten die Hände von dem Gesicht Michaels und mit finsterem Blick streifte er den Kleinen. Ein leiser Schauer lief durch seine Glieder.

»Denkst Du nicht daran, Benjamin, was Vater Abraham sagte von der Duldung des einen gegen den anderen?«

Dieser schüttelte das Haupt und sagte:

»Vater Abraham ist ein alter Mann, wir sind jung; als ich draußen in der Welt war, habe ich Spott und Hohn erdulden müssen um meines Bekenntnisses willen. Da habe ich gelernt, daß nicht die Duldung zum Ziele führt, nein, der Kampf allein, und ich will kämpfen für meinen Glauben! Nicht weltfern und verspottet will ich leben, frei vor den Menschen unsere Lehre bekennen; wie eine Flut, die alles mit sich reißt, soll sie die Welt überströmen. Wir dürfen nicht nachlassen, weiter, immer weiter vorwärts schreiten und Du mußt mit, es giebt kein Zurück, Du mußt Dein Wort halten, hörst Du es!«

Beinahe schreiend stieß der Kleine die letzten Worte hervor, wie eiserne Klammern gruben sich seine Finger in den Arm des anderen, der diesen leidenschaftlichen Ausbruch stumm über sich ergehen ließ.

Seine Augen schweiften mit traurigem Ausdruck nach der Ecke des Zimmers. Dort erhob sich, ein seltener Schmuck in einem Bauernhause, in weißer, reiner Schönheit eine Kopie von Thorwalsens unvergleichlicher Christusstatue. Ging's nicht wie ein Hauch seelischen Friedens von der weißen Gestalt aus? Sehnend streckte Michael seine Arme darnach hin, da traf Benjamins Blick mit dem seinen zusammen und dieser sagte, den Freund verstehend, mit schwankender Stimme:

»Wir müssen doch kämpfen, Michael, wenn wir siegen wollen.«


Michael Wisniewski war ein Kind des Dorfes, sein Vater Vogt bei Herrn von Leninski auf Lochowo. Seine Mutter entstammte einer deutschen Familie, sie hatte lange Jahre bei einem reichen alten Fräulein in der Kreisstadt gedient, die ihr, wie ihr Mann oft sagte, nur Raupen in den Kopf gesetzt hatte. Sie hatte von ihrer Herrin vieles gelernt, vieles, was in ihrem Heimatsdorfe wenig Verständnis fand. Nach dem Tode ihrer Gönnerin kam sie auf das Gut zu Herrn von Leninski und heiratete dort bald darauf den Vogt, einen äußerlich stattlichen Mann.