Jusia Potocka sah bildschön aus in ihrem weißen Gewand mit einer mattgelben Rose im Haar, um den schlanken Hals lag eine schmale, goldene Kette mit einem kleinen Medaillon aus Brillanten, das letzte Schmuckstück aus dem einst so reichen Schatz der Potockis, oft genug war es in Gefahr gewesen, den Weg seiner Genossen zu gehen, aber immer schützte es die alte Prophezeiung, daß seiner Trägerin Glück beschieden sei.
Kasia stand vor dem Spiegel und zupfte unaufhörlich an sich herum, sie sah reizend aus und war auch augenscheinlich sehr befriedigt von ihrer eigenen kleinen Person.
Wagen rollten vor, neue Gäste kamen und bald belebte eine bunte, lachende, plaudernde Menge die Räume, Graf Kasimir Sucholski kam auch, Jusia Potocka sah kaum auf bei der Vorstellung, stolz und kühl neigte sie das Haupt; der reiche Erbe schien sehr wenig Eindruck auf sie zu machen, desto lebhafter begrüßte ihn Kasia von Leninska, er verwickelte sie bald in ein lustiges Wortgefecht und Frau Halinka, die mit scharfen Augen diese Scene beobachtet hatte, nickte befriedigt; aber seltsam, mehr und mehr widmete der Graf Jusia seine Aufmerksamkeit, er folgte ihr bald wie ein Schatten, da sagte sich Frau Halinka ärgerlich: »Man muß nie zu lange Besuch haben, Jusias Anwesenheit ist heute recht überflüssig,« sie vergaß nur den kleinen Umstand, daß das Fest dem lieben Gast zu Ehren gegeben wurde.
Die Musik lockte und schmeichelte, dann wieder klang sie wild und feurig, wie der Sturm, der über den See braust; die tanzenden Paare wirbelten durcheinander, heiße, prickelnde Lebenslust durchglühte sie, die Augen strahlten, die Lippen lachten, die Blumen in den hohen Vasen dufteten betäubend und durch die offenen Fenster strömte warme, weiche Sommerluft herein.
Draußen neben der Veranda, die nach dem Park zuführte, stand ein Mann und starrte mit brennenden Blicken durch ein Fenster nach dem Saal. Er sah in dem Gewirr der Tanzenden nur eine, jedesmal, wenn sie an dem Fenster vorbeikam, durchzuckte es den Mann, als müsse er hineinstürzen und sie an sich reißend rufen: »Sie ist mein, mein Lieb, mein Leben, mein Glück!«
Den Tag über war Michael umhergeirrt, bis er zuletzt die erleuchteten Fenster gewahrend, sich in den Park geschlichen hatte, er wollte sie nur noch einmal sehen, noch einmal mit ihr sprechen, die geliebte Stimme hören und dann für immer fortgehen, Vater Abrahams Ruf folgen.
Er sah sie in ihrem weißen Kleid, schön wie die Fee im Märchen, er sah, wie ihr Tänzer sich zu ihr niederbeugte, sie lachte, er meinte, das weiche, girrende Lachen herauszuhören aus dem Rauschen der Musik. Seine Hände umklammerten das wilde Rosengesträuch, daß sich die Dornen in sein Fleisch gruben, er achtete nicht darauf, rasende Eifersucht erfüllte ihn, hätte er sie jetzt doch küssen können, küssen bis zur Sinnlosigkeit. Niederschlagen hätte er den Mann neben ihr mögen, er haßte es, dieses blasierte, kalkweiße Gesicht, mit den Spuren eines durchtollten Lebens in den Zügen, und sie lachte diesen Menschen an, ihre Augen sahen gerade so berückend zu diesem empor, wie damals zu ihm unter den Trauereschen am See.
Michael Wisniewski barg sein Gesicht in die Hände und stöhnte auf in heißer Qual, dann fuhr er wieder empor, wo war sie jetzt, mit wem tanzte sie?
Vergebens strengte er seine Blicke an, er sah sie nicht mehr, er preßte den Kopf an die Scheiben, er fürchtete nicht, daß man ihn im Saal gewahren könne, es war ihm vollständig gleichgiltig, nur sehen mußte er die Geliebte. Neben ihm rauschte plötzlich ein Kleid, ein helles, girrendes Lachen schlug an sein Ohr, träumte er denn, war das nicht ihre Stimme, die er hörte? Dann sprach auch eine Männerstimme in eigentümlich schleppendem Ton, der Lauscher schrak zusammen, er drehte sich hastig um, da auf der Veranda, an die Brüstung gelehnt, stand Jusia Potocka und plauderte mit ihrem Tänzer.