Die kurze Feier war zu Ende, die Frauen hatten einige Thränen geweint, wie es sich so schickte, dann hatten sie Alle dem Toten drei Hände voll Erde nachgeworfen und waren heimgegangen mit dem stolzen Bewußtsein, ein gutes Werk gethan zu haben.

Propst Ryback hatte auch den Friedhof verlassen und war die sonnige Landstraße weiter gegangen, bis an das alte Muttergottesbild am Weg, da hatte er sich müde auf einen Stein gesetzt und seine Blicke schweiften nach dem Dorfe hin, das im grellen Sonnenlicht dalag. Seine Augen umfassen das sonnige Landschaftsbild, drüben schimmert wie ein leuchtendes Auge der See, zur Seite zieht sich der Wald hin, in dessen Grün bereits die ersten bunten Herbstfarben aufflammen. Er sieht den weißen, staubigen Weg, wie der sich in der Ferne verliert, in wenigen Tagen wird er ihn zum letztenmal befahren, dann wird er für immer sein stilles Priesterhaus verlassen, die Gemeinde, in der er so lange gewirkt, das stille Grab auf dem Friedhof. Aber die Erinnerung daran wird er mitnehmen in seine einsame Klosterzelle, fern im ewigen Rom. Ruhe will er dort suchen für die letzten Tage seines Lebens; er wird dort von seiner Zelle aus auf die sonnigen Höhen des Sabinergebirges sehen können, und doch weiß er, daß er sich unsagbar sehnen wird nach dem stillen Dorf mit seinen kleinen, schmutzigen Häusern, seiner staubigen Landstraße, nach all den Menschen, unter denen er bisher gelebt. Einsam wird er seines Weges gehen und einsam sterben! Er denkt an die junge Braut dort oben im Dorf auf dem Sande, ach, könnte er doch zu ihr gehen und bitten: »Habe mich lieb um des Toten willen, lass' mich nicht allein in der Einsamkeit meines Herzens!«

»Oh, nur ein wenig Liebe,« murmelt er, »nur jemand auf der großen Welt, der mir ein wenig Liebe schenkt.«

So sitzt er und sinnt, bis junge, frohe Stimmen an sein Ohr schlagen, er sieht auf und sieht Maria von Leninska mit ihrem Bräutigam Arm in Arm daherkommen. Sie bleiben stehen, als sie den Geistlichen gewahren, und Maria zieht, wie sie als Kind gewohnt war, die Hand desselben an ihre Lippen.

»Sie wollen uns verlassen, sagte Papa, ist es wahr?« Sie sieht fragend zu ihm auf.

»Ja, meine Tochter, ich bin alt und müde und sehne mich nach Ruhe, Du aber gehst dem Glück entgegen, Gott geleite Dich!«

Er will von dannen gehen, da faßt Maria noch einmal seine Hand und sagt:

»Ich danke Ihnen noch für die guten Worte, die Sie bei Mama für mich eingelegt haben, ich werde Sie nie vergessen, mein treuer, väterlicher Freund,« und noch einmal küßt sie innig seine Hand.

Auch Heinz Werner ergreift dieselbe und sagt warm: »Lassen Sie sich auch von mir danken, Sie haben mir zu meinem Glück verholfen.«

»Gott segne Euch,« murmelt der alte Mann und wendet sich hastig ab, die beiden gehen weiter Hand in Hand, ihre klaren Stimmen schallen noch zu dem Einsamen hin, der, an das hölzerne Bild gelehnt, ihnen nachblickt, wie sie so jung, so kraftvoll und mutig, so stolz in ihrer Liebe dahinschreiten.