Er wartete.
Der Wagen zeigte sich bald an dem Knie der Straße.
Es war ein sehr verfallenes, für höchstens drei Personen eingerichtetes Fuhrwerk, eine in der dortigen Gegend sogenannte Kibitka.
Gewöhnlich bilden drei Pferde die Bespannung einer solchen Kibitka; diese wurde aber nur von einem Pferde mit langer Behaarung und dickbuschiger Mähne und Schweif gezogen, dessen offenbar mongolische [pg 2-89] Abstammung seine Stärke und Ausdauer verrieth.
Als Führer saß ein junger Mann auf dem Wagen, neben welchem ein Hund neugierig hervorguckte.
Nadia erkannte bald, daß der junge Mann ein Russe sei. Er hatte ein freundliches, ruhiges, Vertrauen erweckendes Gesicht. Besondere Eile schien er auch nicht zu haben. Er trottete ruhigen Schrittes dahin, um sein Pferd nicht überanzustrengen, und wer ihn so sah, hätte gewiß nie geglaubt, daß er auf einem Wege fahre, den die wilden Horden der Tartaren jederzeit abschneiden konnten.
Nadia faßte Michael Strogoff’s Hand sicherer und trat zur Seite.
Die Kibitka hielt; lächelnd sah deren Führer das junge Mädchen an.
„Ei, wo wandert Ihr denn hin?“ fragte er mit freundlich theilnehmendem Blicke.
Der Ton dieser Stimme belehrte Michael Strogoff, daß er dieselbe irgendwo schon einmal gehört habe. Ohne Zweifel genügte ihm dieser Anhaltepunkt, um den Führer der Kibitka wieder zu erkennen, denn seine sorgenvolle Stirn heiterte sich plötzlich auf.