Michael Strogoff sah wirklich die durchfahrenen Landstrecken durch die Augen Nicolaus’ und des jungen Mädchens. Abwechselnd beschrieben ihm [pg 2-95] Beide die Gegenden, durch welche die Kibitka fuhr. Er wußte, ob in der Umgebung ein Wald oder eine offene Ebene sei, ob sich ein verlorenes Häuschen in der Steppe oder ein Sibirer in der Ferne zeigte. Nicolaus’ Zunge stand selten still. Er liebte es, zu plaudern, und bei seiner eigenen Anschauungsweise der Dinge hörte man ihm gern zu.
Eines Tages fragte ihn Michael Strogoff, wie die Witterung sei.
„O, recht schön, Väterchen, antwortete er, aber wir haben nun auch die letzten angenehmen Sommertage. Der Herbst ist in Sibirien kurz und bald genug werden sich die ersten Winterfröste melden. Vielleicht beschließen die Tartaren, während der schlechten Jahreszeit Cantonnements zu beziehen?“
Ungläubig schüttelte Michael Strogoff den Kopf.
„Du glaubst es nicht, Väterchen, bemerkte Nicolaus. Du denkst, sie werden bis Irkutsk vordringen?
— Ich fürchte es, erwiderte Michael Strogoff.
— Ja … Du kannst Recht haben. Sie haben da einen Schurken bei sich, der ihren Kriegseifer nicht auf halbem Wege erkalten lassen wird. – Hast Du von Iwan Ogareff gehört?
— Gewiß.
— Weißt Du, daß es sehr schlecht ist, sein Vaterland zu verrathen?
— Ja, das ist es … antwortete Michael Strogoff, der seine Ruhe mühsam zu bewahren suchte.