— Für Dich nichts, für sie auch nicht, Väterchen, das weiß ich, erwiderte Nicolaus, wohl aber für mich!“

Dann fuhr er fort:

„Dem Schicksal kann man ja doch nicht entgehen!“

Er trieb das Pferd wieder an.

Trotz des unglücklichen Vorzeichens verlief der Tag doch ohne jede Störung.

Am nächsten Tage, dem 6. September, gegen Mittag, hielt die Kibitka in Alsalewsk, das ebenso verlassen war, wie die ganze Umgebung.

Hier fand Nadia auf der Schwelle eines Hauses zwei solche starke Messer, wie sie die sibirischen Jäger zu gebrauchen pflegen. Sie gab das eine Michael Strogoff, der es unter seinen Kleidern verbarg, und bewahrte selbst das andere.

Die Kibitka befand sich nun noch fünfundsiebzig Werst von Nishny-Udinsk entfernt.

Während dieser beiden Tage hatte Nicolaus niemals seine frühere gute Laune wiederfinden können. Das üble Vorzeichen hatte ihn tiefer berührt, als man hätte glauben sollen, und wenn er früher fast unaufhörlich plauderte, so verfiel er jetzt manchmal in so düsteres Schweigen, daß Nadia Mühe hatte, ihn zu erwecken. Sein ganzes Innere erschien wie umgewandelt, was bei einem Bewohner des Nordens weniger auffallen darf, von dessen abergläubischen Vorfahren die düstere hyperboräische Mythologie herrührt.

Von Jekaterinenburg aus verläuft die Straße nach Irkutsk fast stets parallel dem 55. Breitengrade, hinter Biriusinsk aber wendet sie sich herab nach Südosten, so daß sie den 100. Meridian schief durchschneidet. Sie hält nun die kürzeste Linie nach der Hauptstadt Sibiriens ein und wendet sich über den letzten Auslauf der Sayanskberge. Dieses Gebirge stellt selbst nur einen Vorwall der großen [pg 2-119] Altaïkette dar, welche man hier schon in einer Entfernung von zweihundert Werst vor sich sieht.