Nur wenige Schritte, und das Felsstück wäre hinter ihnen niedergeschlagen.
In einer Zwanzigstelsecunde sah es Michael Strogoff ein, daß der Tarantaß getroffen, seine Gefährtin zerschmettert werden müßte! Er fühlte, daß er sie lebend nicht mehr herauszuholen vermöchte …
Da sprang er schnell hinter den Wagen, aus der [pg 1-130] Gefahr schöpfte er eine fast übermenschliche Kraft, stemmte den Rücken gegen die Achse, die Füße fest auf den Boden und drängte das schwerfällige Fuhrwerk einige Schritte vorwärts.
Der gewaltige Block flog vorüber, streifte dem jungen Manne fast die Brust und benahm ihm den Athem, wie eine vorbeisausende Kanonenkugel. Knisternd und Funken sprühend zersprangen die Steine auf der Straße.
„Bruder!“ hatte zum Tode erschrocken Nadia gerufen, welche die ganze Scene beim Leuchten eines Blitzes mit angesehen hatte.
— Nadia! antwortete Michael Strogoff, keine Furcht, Nadia!
— Um meinetwillen könnte ich mich niemals fürchten.
— Gott ist mit uns, Schwester!
— Mit mir gewiß, Bruder, da er mich auf Deinen Weg geleitet hat!“ sagte halblaut das junge Mädchen.
Der Anstoß, den der Tarantaß durch Michael Strogoff’s Anstrengung erhielt, sollte nicht verloren sein. Er ward zur Anregung für die stutzenden Pferde, die frühere Richtung wieder einzuschlagen. Von Michael Strogoff und dem Jemschik so zu sagen gezerrt, klommen sie bergauf bis zu einem schmalen von Norden nach Süden verlaufenden Kamme, wo sie gegen den directen Anprall des Unwetters einigermaßen gesichert waren. Die Berglehne zur Rechten bildete hier eine Art Sägewerk durch einen vorspringenden Felsen, der sich mitten in einem schäumenden Wildwasser erhob. Hier wüthete wenigstens kein gefahrdrohender Wirbelwind und der Platz schien einigermaßen haltbar, während in der Peripherie [pg 1-131] dieser scheinbaren Cyclone sich gewiß kein Mensch oder Thier hätte aufrecht erhalten können.