In Kerwan herrschte jetzt die schlimmste Unruhe. Der Besuch Harbert's konnte nicht mehr lange ausbleiben. Die letzte Decemberwoche benützte er gewöhnlich, die Domäne von Rockingham zu bereisen.
Am Morgen des 29. December kam Findling, der jenen zuerst bemerkt hatte, athemlos nach dem Hause gelaufen, um die Familie in der großen Stube von dem Eintreffen des gefürchteten Mannes zu benachrichtigen.
Alle – der Vater, die Mutter, die Söhne, die Urgroßmutter und ihre Urenkelin, die Kitty auf den Knien hielt – waren hier beisammen.
Der Beamte stieß das Gitterthor auf, schritt sicher und fest – mit dem Tritte des Herrn – durch den Hof, öffnete die Thür des Zimmers und setzte sich, sogar ohne den Hut abzunehmen, ohne einen Guten Tag, wie einer, der sich hier weit mehr zu Hause fühlte als die Insassen der Wohnung, auf einen Stuhl vor dem Tische, zog einige Papiere aus einem Lederportefeuille und sagte ohne Vorrede.
»Für das verflossne Jahr hab ich hundert Pfund zu bekommen, Mac Carthy. Das stimmt doch wohl?...
– Gewiß, Herr Harbert, antwortete der Farmer mit leise zitternder Stimme. Es macht hundert Pfund. Ich werde Sie aber um einen kleinen Aufschub bitten müssen... den Sie mir ja schon früher einige Mal bewilligt hatten....
– Einen Aufschub... immer Aufschub? unterbrach ihn Harbert. Was soll das heißen? Diesen Refrain hör' ich nun schon in allen Farmen. Kann denn Herr Eldon seine Verpflichtungen gegen den Lord Rockingham mit lauter Aufschüben ausgleichen?
– Das Jahr ist für alle sehr schlecht gewesen, Herr Harbert, und Sie dürfen glauben, daß auch unsre Farm davon betroffen wurde....
– Das geht mich nichts an, Mac Carthy. Ich kann Ihnen keinen Aufschub bewilligen!«
In eine finstre Ecke gedrückt, mit gekreuzten Armen und weit geöffneten Augen war Findling Zeuge dieses Auftritts.