»Herr Harbert, begann sie, lassen Sie auch mich die Bitte wagen, uns einen Aufschub zu verwilligen... das wird es ermöglichen, Sie zu bezahlen... nur wenige Monate... und bei fleißigster Arbeit... sollten wir auch selbst dabei zu Grunde gehen!... Ich flehe Sie an... ich bitte Sie auf den Knien... haben Sie Erbarmen!«
Die unglückliche Frau sank in die Knie vor dem herzlosen Manne, der sie schon durch seine freche Haltung verletzte.
»Genug, Mutter!... Zuviel... zuviel schon der Erniedrigung! rief Murdock, der Martine zum Aufstehen zwang. Mit Bitten und Flehen antwortet man solchem Elenden nicht!
– Nein, versetzte Harbert, ich sehe auch nicht ein, wozu die vielen Worte nützen sollen. Geld... das Geld augenblicklich her, oder Ihr seid vor Ablauf von acht Tagen alle von Haus und Hof verjagt....
– Vor Ablauf von acht Tagen, mag sein! rief Murdock. Jetzt kommen Sie aber erst an die Reihe, jetzt werf' ich Sie zur Thür des Hauses hinaus, in dem wir noch Herr sind....«
Damit drang er auf den Beamten ein, faßte ihn, hob ihn auf und schleuderte ihn auf den Hof hinaus.
»Was hast Du gethan, mein Sohn, was hast Du angerichtet? sagte Martine, während alle übrigen die Köpfe hängen ließen.
– Nur das, was jeder Irländer thun sollte, antwortete Murdock, die Lords von Irland verjagen, wie ich diesen Agenten aus unsrer Farm verjagt habe!«
XVI.
Die Austreibung.
So gestaltete sich die Lage der Familie Mac Carthy zu Anfang des Jahres 1882. Findling hatte sein zehntes Lebensjahr vollendet. Ein kurzes Leben, wenn man nur die verflossene Zeit veranschlagt, ein langes, wenn man auch die Schicksale des Knaben berücksichtigt. Er zählte bis jetzt nur drei glückliche Jahre – die Jahre, die er seit seinem Eintreffen in der Farm von Kerwan verbracht hatte.