»Wem gehört dieses unschuldige Wesen?
– Niemand!... Es ist ein Findelkind, erklärte der Mann.
– Nun gut, so gehört es mir... mir...! rief sie, während sie schon den Knaben nahm und an ihr Herz drückte.
– Gnädige Frau... ließ sich da ihre Kammerfrau vernehmen.
– Schweig, Elisa, schweig! – Das ist ein Engel, der mir vom Himmel zugefallen ist.«
Da der »Engel« nun weder Eltern noch sonstige Angehörige hatte, war es ja das Beste, ihn den Händen der schönen, edelmüthigen Dame zu überlassen, und ein freudiges Hurrah dankte dieser in dem Augenblick, wo die letzten Reste der Ragged-School zusammenstürzten.
VI.
Limerick.
Wer die mitleidige Dame war, die hier so entschlossen für die Rettung der beiden Bedrohten eintrat, wußte zunächst niemand und niemand wäre auch erstaunt gewesen, wenn sie selbst durch die Flammen gedrungen wäre, um diesen das schwächliche Opfer zu entreißen. Und wäre das Kind ihr eignes gewesen, sie hätte es kaum liebevoller in die Arme nehmen können, als sie es nach ihrem an der nächsten Straßenecke wartenden Wagen trug, während sich die Kammerfrau der Fremden vergeblich bemühte, die Dame von ihrem Entschluß abzubringen.
»Nein, Elisa! wiederholte sie, lass' ihn, er gehört mir. Der Himmel hat es mir vergönnt, ihn dem brennenden Hause zu entreißen. O, ich danke Dir, ich danke Dir, mein Gott!... Ach, wie ich ihn schon lieb habe.«
Der »geliebte« war schon halb erstickt, sein Athem unterbrochen, der Mund stand wie gelähmt etwas offen und seine Augen waren geschlossen. Er hätte der frischen Luft bedurft und jetzt, wo er von dem Rauch der Feuersbrunst fast erstickt war, lief er Gefahr, von den Liebkosungen erstickt zu werden, die seine Retterin an ihn verschwendete.