»Ergreifen Sie dieses Kind... es gehört mir!

– Nein, das ist Dein Sohn nicht! antwortet die Herzogin, die Sib ein Stück hinwegzieht.

– Sie sind nicht mein Papa!« erklärt der kleine Junge laut.

Die Fingerspitzen der Miß Anna Walston haben sich so tief in seinen Arm eingebohrt, daß ihm ein Schrei entfährt. Dieser Schrei paßt ja zur Situation und compromittiert sie nicht. Jetzt ist es eine Mutter, die ihn an sich preßt... keiner soll ihr das Kind entreißen können. Eine Löwin vertheidigt ihr Junges....

Der kleine sich sträubende Löwe, der den Vorgang für Ernst nimmt, wird zu widerstehen wissen. Der Herzog hat sich seiner bemächtigt; er entschlüpft ihm und eilt auf die Herzogin zu.

»Ach, Miß Anna, ruft er weinend, warum haben Sie mir gesagt, daß sie nicht meine Mama sind?

– Wirst Du schweigen, Unglücksvogel!... Wirst Du endlich schweigen! murmelt sie, während Herzog und Gerichtsdiener bei diesen unerwarteten Zwischenreden ganz aus der Rolle fallen.

– Ja, ja... antwortet Sib, Sie sind doch meine Mama... ich hatte es Ihnen ja gesagt, Miß Anna... meine richtige Mama.«

Die Zuschauer begreifen allmählich, daß das nicht zum Stücke gehört; sie kichern und lächeln, einige klatschen scherzweise Beifall. Eigentlich hätten sie weinen sollen, denn es war rührend zu sehen, wie das Kind in der Herzogin von Kendalle seine leibliche Mutter zu erkennen wähnte.

Die »Situation« blieb aber – so oder so – compromittiert. Man fing an zu lachen, wo hätte man weinen sollen, und um den großen Auftritt war es geschehen.