Zwischen dem eigentlichen Ackerland und dem Pachthofe lag noch ein Küchengarten, worin Martin den Hausbedarf an Gemüsen anbaute, vorzüglich Kohl, Rüben und Kartoffeln, und das Gartenland umsäumte wieder ein Kranz von Bäumen und Buschwerk aller Art.

Hier wucherten kräftige Stechpalmen mit ihren stachligen, leuchtend grünen Blättern, die seltsam geformten Muscheln ähneln; dort erhoben sich wild wachsende Taxusbäume, denen keine unnütze Scheere die Gestalt von Weinflaschen oder Lampenträgern gegeben hatte. In Flintenschußweite zur Linken stand ein Wald von Eschen, und die Esche bildet einen der schönsten Bäume dieser Gegenden. Weiterhin mischen sich tiefgrüne Buchen ein, stellenweise unterbrochen von der Purpurfarbe hoher Büsche, der Ebereschen, die von ferne Weinstöcken gleichen, an deren Reben korallene Trauben hingen. Kaum drei Meilen von hier erhebt sich schon der Erdboden unter den letzten Ausläufern der Clanaraderrykette, mit harzreichem Fichtenbestand, deren Zapfen an den Gaisblattranken zu hängen scheinen, die sich überall durch das Geäst der Bäume schlingen.

Der Betrieb der Farm von Kerwan erfordert ziemlich verschiedene Culturen, giebt im ganzen aber nur einen mittelmäßigen Ertrag. Die Weizenfrucht, die in der Hauptsache zu Grütze vermahlen wird, zeichnet sich weder durch Länge der Halme, noch durch Ergiebigkeit der Aehren aus. Der Hafer ist mager und schwächlich, was hier um so schlimmer erscheint, als das Hafermehl fortwährend verwendet wird. Besser gedeihen noch Gerste und Roggen, welch letzterer den größten Theil des Brodes liefert. Bei der Rauhigkeit des Klimas können aber auch diese Feldfrüchte vor October oder November selten geerntet werden.

Unter den im Großen angebauten Gemüsen, wie den Rüben und dem starkhäuptigen Kohl, nehmen die Kartoffeln den ersten Rang ein, die, vorzüglich in den minder begünstigten Theilen Irlands, die eigentliche Volksnahrung ausmachen. Man fragt sich wirklich, wovon die Landleute wohl gelebt haben mögen, ehe Parmentier die werthvolle Knollenfrucht auf der Insel einführte. Vielleicht hat die Kartoffel freilich die Bauern etwas sorgloser gemacht, da diese auf die Ausbeute an solchen rechnen, wodurch sie vor Hungersnoth geschützt bleiben, so lange nicht gar zu ungünstige Verhältnisse eintreten.

Wenn die Erde die Thiere ernährt, so tragen diese auch wieder zur Ernährung der Erde bei. Ohne sie ist kein Anbau möglich. Die einen dienen zur Arbeit mit Pflug und Egge, die andern liefern Eier, Fleisch und Milch, alle aber die nöthige Düngung für den Acker. Zur Farm von Kerwan gehörten auch sechs Pferde, und doch reichten sie, als Zwei- oder Dreigespann verwendet, kaum aus, die Pflugschaar durch den steinigen Boden zu ziehen. Standen sie auch nicht verzeichnet im »Stud-book«, der Adelsrolle der Pferdefamilien, so leisteten sie doch die besten Dienste und begnügten sich mit trocknem Heidekraut, wenn's einmal an besserem Futter mangelte. Ein Esel leistete ihnen Gesellschaft, und diesem konnte es nimmer an Disteln fehlen, deren es hier in solchen Mengen giebt, daß alle dahin zielenden Verordnungen die Vertilgung dieser wuchernden Pflanze nicht erzwingen werden.

Unter dem Stallvieh gab es ein halbes Dutzend schöne, rothhaarige Milchkühe und gegen hundert schwarzköpfige Schafe mit sehr weißer Wolle, deren Unterhaltung im Winter, wo fußtiefer Schnee die Fluren bedeckt, mit vielen Schwierigkeiten verknüpft ist. Weniger gilt das von den zwanzig Ziegen, die der Farmer besaß und denen man es mehr selbst überlassen konnte, sich Nahrung zu suchen. Gab es kein Gras, so fanden sie noch immer Blätter, die auch der strengsten Kälte widerstanden.

Ein Dutzend Schweine barg ein besondrer Stall an der rechten Hofseite; diese wurden für den eignen Bedarf gemästet. Der Farmer betrieb nämlich die Aufzucht solcher nicht, obgleich von Limerick sehr viele Schinken versendet werden, die denen von York an Güte gleichkommen und auch unter dieser Marke im Handel sind.

Hühner, Gänse und Enten gab es so viel, daß noch Eier nach dem Markte von Tralee geliefert werden konnten, Truthühner und Haustauben aber nicht, und diese findet man in den Bauernhöfen Irlands überhaupt nur selten.

Auch eines Hundes müssen wir gedenken, eines schottischen Terriers, der zur Bewachung der Schafheerde diente. Einen Jagdhund gab es hier nicht, trotz des Wildreichthums der Gegend. Die Jagd ist ja nur ein Vergnügen der Landlords. Der sehr hohe Preis für den Jagdschein, der der britischen Staatscasse zufällt, und die Taxe für Berechtigung zum Halten eines Jagdhundes, verbieten sie dem kleinen Manne schon allein.

Das war das Pachtgut von Kerwan, das ziemlich isoliert innerhalb einer Schleife des Cashenflusses und fünf Meilen von der Parochie Silton entfernt lag. In der Grafschaft gab es gewiß noch schlechteren Boden, leichtes, kieselreiches Land, das keine Düngung festhält und wo der Pachtschilling nicht einmal eine Krone (noch nicht fünf Mark) für den Acre beträgt; der Grund und Boden Martin Mac Carthy's war aber auch höchstens von mittlerer Güte.