»Da habt Ihr ein Knäblein, sagte sie, in Erwartung, daß Kitty uns einen kleinen Kameraden dazu schenkt.

– Er ist ja ganz erfroren, der Kleine! antwortete die junge Frau.

– Ich hab' ihn aber während der Fahrt in meinen Tartan (eine Hülle von großwürfeligem Wollenstoff) eingewickelt, so gut ich konnte, versicherte die Farmersfrau.

– Schnell, schnell, drängte Martin, wir wollen ihn vor dem Kamine wieder warm machen und auch die Großmutter begrüßen, die darauf warten wird.«

Kitty nahm den kleinen Knaben aus den Händen Martines, und bald war die ganze Familie in dem großen Mittelzimmer versammelt, wo die Großmutter auf einem alten gepolsterten Armstuhle saß.

Man zeigte ihr das Kind. Sie nahm es in die Arme und setzte sich's auf die Knie.

Der Kleine ließ es sich gefallen. Seine Blicke wanderten von einem zum andern. Er verstand nicht, was mit ihm vorging. Jedenfalls glich das Heute nicht dem Gestern. War alles nur ein Traum? Er sah hübsche Gesichter, junge und alte um sich. Seit seinem Erwachen hatte er nur liebevolle Worte gehört. Die Fahrt auf dem schnell durch das Land hineilenden Wagen war ihm eine Zerstreuung gewesen. Gute Luft und der Morgenduft der Blumen und Büsche füllten seine Brust. Eine kräftige Suppe vor der Abfahrt hatte ihn gestärkt und unterwegs hatte er, immer an kleinen Kuchen aus der Tasche Martines nagend, erzählt, was er von seinem Leben wußte, von dem Aufenthalt in der abgebrannten Lumpenschule, von der Freundlichkeit Grips, dessen Name sehr oft über seine Lippen kam, ferner von Miß Anna, die ihn ihren Sohn genannt hatte und doch gar nicht seine Mutter war, weiter von einem sehr erzürnten Herrn, den sie den Herzog nannten, dessen Namen er aber vergessen hatte und der ihn mit wegnehmen wollte, endlich von seinem Verlassensein und wie er sich allein auf dem Friedhofe von Limerick befunden habe. Martin Mac Carthy und seine Frau verstanden von der ganzen Geschichte nicht viel, außer daß er weder Eltern noch Angehörige hatte, und daß er ein verlassenes kleines Geschöpf sei, das die Vorsehung ihrer treuen Sorge anvertraut hatte.

Gerührt umarmte ihn die Großmutter und dann auch die andern, deren Theilnahme für ihn erwachte.

»Ja, wie heißt er denn? fragte die Großmutter.

– Er konnte uns keinen andern Namen als »Findling« angeben, antwortete Martine.