Während sie nach der Liffey wanderten, verloren Bob und er nichts Bemerkenswerthes aus den Augen. Bob schwatzte unterwegs nach alter Gewohnheit.
»O, diese Kirche!... Ah, dieser Platz!... Welch' ungeheures Gebäude!... Welch' schöner Square!«
Das genannte Gebäude war die Börse, die Royal-Exchange. In der Dame-Street lag die City-Hall, die Commercial Building, der Sammelplatz für die Kaufleute der Stadt. Weiterhin erschien das Schloß auf dem Rücken des Cork-Hill, mit seinem großen, zinnengekrönten Thurm und den schwerfälligen Backsteinmauern. Früher ein von Elisabeth ausgebautes Festungswerk, dessen Spuren man kaum noch wiederfindet, dient es jetzt als Amtswohnung des Lord-Lieutenant und als Sitz der Civil-Militärbehörden. Darunter breitet sich Steffen-Square aus mit einer Reiterstatue Georgs I., die von üppigen Rasenplätzen und schönen Bäumen umgeben ist. Die Einfassung des Square aber bilden ebenso traurige wie symmetrische Häuser, unter denen der Palast des protestantischen Erzbischofs und der Boardroom die umfänglichsten sind. Weiter nach rechts liegt dann der Merrion-Square, wo sich die alte Ritterburg von Leinster, das Hôtel der königlichen Gesellschaft, mit korinthischer Façade und dorischem Vestibül erhebt und an dem auch das Geburtshaus O'Connell's liegt.
Findling ließ Bob plaudern und gab sich seinen Gedanken hin. Er bemühte sich, aus dem, was er sah, einen praktischen Nutzen zu ziehen. Noch wußte er ja nicht, was er mit seinem kleinen Vermögen beginnen, welche Art von Handel er mit Aussicht auf Erfolg anfangen sollte.
Auf ihrem Wege durch die ärmlichen Straßen, die die bessern Quartiere umgeben, verliefen sich die Knaben mehr als einmal, so daß sie eine Stunde nach ihrem Aufbruche aus Saint-Patrick-Street noch nicht einmal die Quais der Liffey erreicht hatten.
»Einen Fluß giebt's hier also wohl gar nicht? fragte Bob wiederholt.
– Doch... einen Fluß, der in den Hafen mündet,« versicherte Findling.
Immer fast blindlings weitergehend, gelangten sie nach einer Gruppe vier Etagen hoher, aus Portland-Cement errichteter Gebäude, mit hundert Meter langer griechischer Façade, einem von vier korinthischen Säulen getragenen Fronton und mit zwei Eckpavillons mit Pilastern und Antiken. Um das Ganze erstreckt sich ein wirklicher Park, worin junge Leute dem Sport aller Art huldigten. Das Ganze war aber nicht etwa eine Art Turnanstalt, sondern die von Elisabeth gegründete Universität, das Trinity-College. Die jungen Leute hier waren irische Studenten, lauter eifrige Sportsmen, die sich an Kühnheit und Feuer mit ihren Kameraden von Oxford und Cambridge messen können. Das Ganze glich freilich nicht der Ragged-School von Galway, und der Vorsteher hier mochte wohl eine ganz andre Persönlichkeit sein, als jener O'Bodkins.
Bob und Findling wandten sich von hier aus weiter nach rechts, und sie hatten kaum hundert Schritte gemacht, als der kleine Knabe jubelnd ausrief:
»Dort... dort sehe ich Masten!