Nach letzterer steuerte das Boot zuerst bei herrlichem Wetter und in diesen Gegenden recht seltenem klaren Sonnenscheine. Eine leichte Brise kräuselte die Oberfläche des Wassers. Findling berauschte sich an dem erquickenden Lufthauche, während er die reizenden Bilder, die an ihm vorüberzogen, bewunderte. Er hütete sich aber, seinen Empfindungen lauten Ausdruck zu geben, denn man hätte ihm doch Stillschweigen geboten.

Lord und Lady Piborne wären gewiß auch gar zu verwundert gewesen, daß ein Wesen ohne Geburt und Erziehung für diese Naturschönheiten, die doch nur für das Vergnügen aristokratischer Augen geschaffen waren, hätte empfänglich sein können. Uebrigens unternahmen Ihre Herrlichkeiten diesen Ausflug, wie wir wissen, ja nur, weil es für Leute ihres Ranges zum guten Ton gehörte, ihn ausgeführt zu haben, während in ihrem Gedächtniß wahrscheinlich kein dauernder Eindruck davon zurückblieb. Dem Grafen Ashton war die ganze Sache völlig gleichgiltig. Er hatte einige Angelschnuren mitgenommen und wollte Fische fangen, während seine erhabenen Eltern pflichtgemäß die Landsitze und Ruinen der Umgebung aufsuchen würden.

Das schmerzte vorzüglich Findling. Als Innishallen erreicht war, stiegen der Marquis und die Marquise aus, auf den an ihren Sohn gerichteten Vorschlag aber, sie zu begleiten, antwortete der liebenswürdige junge Mann nur:

»Ich danke; ich will während Ihres Spaziergangs lieber angeln!

– Und doch, erwiderte Lord Piborne, befinden sich hier die Reste einer berühmten Abtei, und mein Freund, Lord Kenmare, dem diese Insel gehört, würde es mir wohl übel deuten...

– Wenn es der Graf aber vorzieht... warf die Marquise nachlässig ein.

– Gewiß ziehe ich es vor, erklärte der Graf Ashton, und mein Groom wird mir die Angelhaken mit Köder versorgen.«

Der Marquis und die Marquise brachen also, mit John und Marion als Gefolge, auf, und so kam es, daß Findling, der ja den Launen des jungen Piborne nachgeben mußte, zu seinem großen Leidwesen nichts von den archäologischen Merkwürdigkeiten von Innishallen kennen lernte. Der Marquis und die Marquise brachten davon übrigens auch keine dauernde Erinnerung mit heim. Wie konnten auf ihren indifferenten, blasierten Geist die Schönheiten dieses Klosters Eindruck machen, dessen Gründung bis ins 6. Jahrhundert zurückreicht, die Anordnung der vier dasselbe bildenden Gebäude, die romanische Kapelle mit ihren herrlichen Steinarbeiten am Bogengewölbe, das Ganze verloren in üppigem Grün, inmitten dichter Gruppen von Stechginster, Taxusbäumen, Eschen und Erdbeerbäumen, deren vorzüglichste Arten dieser Insel – der »Insel der Heiligen«, wie Fräulein de Bouret so treffend das Juwel von Killarney genannt hat – anzugehören scheinen?

Hatte der Graf Ashton es auch abgeschlagen, Ihre Herrlichkeiten während der Stunde, die sie der Besichtigung von Innishallen widmeten, zu begleiten, so darf man nicht glauben, daß er deshalb seine Zeit verloren hätte. Freilich war ihm eine schöne Forelle durch eigne Schuld wiederholt entschlüpft, und sein Mißvergnügen darüber machte sich in ebenso unverdienten, wie maßlosen Vorwürfen gegen seinen Groom Luft. Einige Aale, die an seinem Haken zappelten, galten ihm in der That mehr als jene erbärmlichen Ruinen, um die er sich keinen Pfifferling kümmerte.

Das erschien ihm als eine so würdige Ausfüllung seiner Muße, daß er nicht einmal die Insel Roß mit durchstreifen wollte, wo das Boot eine Stunde später anlegte. Auch hier vertändelte er die Zeit mit der Angelschnur, und Findling mußte bei ihm bleiben, während Lord und Lady Piborne mit majestätischer Gleichgiltigkeit im Schatten der Wälder des Lord Kenmare lustwandelten.