Das arme, bedauernswerte Wesen! Sein schmales Gesicht, der hagere, fleischlose Körper, alles verrieth, was es gelitten haben mochte: Anstrengung, Kälte und Hunger! Der Leib des Kleinen war eingesunken, wie ein leerer Sack. Wie sollte er ihn nun wieder zum Bewußtsein bringen? Jedenfalls mußte er zuerst von dem verschluckten Wasser befreit werden, dann wollte Findling ihm Mund auf Mund Luft einblasen. – Wirklich that das Kind nach kurzer Zeit wieder einen ersten schwachen Athemzug, dann schlug es die Augen auf und über seine Lippen kamen die klagenden Worte:
»Ich habe Hunger... ach, ich habe solchen Hunger.«
I am hungry! Das ist der Ausruf des Irländers, den er während seines ganzen Lebens und noch, wenn ihm die Augen schon brechen, vernehmen läßt.
Findling besaß noch einigen Mundvorrath. Aus Brot und Speck machte er zwei bis drei Bissen und schob sie dem Knäblein in den Mund, der sie gierig verschlang. Er mußte ihn mäßigen, sonst wäre er erstickt. Die Speise glitt in ihn hinein, wie die Luft in eine vorher luftleere Flasche.
Mühsam richtete er sich auf. Sein Blick haftete auf Findling, er schien sich unklar, dann rief er ihn erkennend:
»Du?... Du? murmelte er.
– Ja... Du erinnerst Dich also....
– Ach ja... auf der Straße... ich weiß nicht wann....
– Ich... weiß es... mein Junge....
– O, verlasse mich nicht!