Von hier aus kamen sie durch die schönste und merkwürdigste Gegend von ganz Irland, die von Touristen fast ebenso viel besucht wird, wie das Seengebiet von Killarney, und die dem Blicke die entzückendste Abwechslung bietet. Da und dort streben Berge empor, die mit denen von Donegal und Kerry wetteifern können, schimmern herrliche Seen, wie die von Bray und von Dan, deren klares Wasser die Alterthümer an ihren Ufern wiederspiegelt. Ferner dehnt sich hier, längs des Ovocabettes, das Thal von Glendalough aus mit seinen epheuumrankten Thürmen, seinen alten Kapellen am Rande eines mit glitzernden Moränen besetzten Sees, und das Heilige Thal mit den sieben Kirchen von Saint-Kevin, wo die Wallfahrer aus dem ganzen Erin zusammenströmen.
Das Handelsgeschäft der Knaben entwickelte sich inzwischen mehr und mehr. Ueberall wurden die jungen Hausierer willkommen geheißen. Freilich zogen sie hier durch eine der wohlhabendsten Landschaften Irlands, wo sich schon die Nähe der großen Hauptstadt bemerkbar machte. Von Arklow aus verbindet die Landstraße nämlich eine Anzahl Seebadeorte, die zur Zeit bereits von der Dubliner Gentry besucht waren. Diese ganze elegante Welt hatte wohlgefüllte Taschen. In diesen Bädern sah man mehr Guineen, als Schillinge in den Ortschaften von Sligo oder Donegal. Es bedurfte nur des Talents für den jungen Händler, um davon etwas in seine Tasche herüberzulocken. Das gelang ihm auch nach und nach, und Findling hatte die beste Aussicht, mit verdoppeltem Vermögen in Dublin anzukommen.
Da hatte Bob einen recht guten Gedanken, der seinem großen Bruder bisher nicht gekommen war, einen Gedanken, dessen Ausführung ihm hundert Procent Nutzen abwerfen mußte, allein durch die vielen Kinder reicher Leute, die sich gewöhnlich auf dem Strande von Wicklow tummelten.
Bob war nämlich – er hatte das schon häufig bewiesen – sehr geschickt im Ausnehmen von Vogelnestern, und solche giebt es auf den Chausseebäumen Irlands in großer Menge.
Bisher hatte Bob seine Kunstfertigkeit im Klettern noch gar nicht ausgebeutet. Nur ein- oder zweimal verkaufte er um geringen Preis einige Vögel, die er dem Neste auf einer hohen Buche entnommen oder in einer sehr einfachen Falle gefangen hatte. Ehe sie Wicklow verließen, fiel es ihm aber ein, daraus einen Erwerb zu machen, und daher bat er Findling, einen Bauer anzuschaffen, der eine größere Anzahl Sperlinge, Meisen, Finken, Stieglitze und andre kleine Vögel aufnehmen konnte.
»Und wozu? fragte Findling. Willst Du etwa Vögel züchten?
– Keineswegs.
– Was soll also damit geschehen?
– Ich will sie wieder fliegen lassen.
– Weshalb sollen sie dann erst in einen Käfig gesteckt werden?«