Bald sank der Abend hernieder. In wenig Schritten Entfernung folgte Martinez seinem Führer José. Dieser fand sich in der zunehmenden Dunkelheit nur schwierig zurecht und suchte einen gangbaren Pfad auszuwählen, wobei er manchen Fluch ausstieß, einmal über einen hervorstehenden Knorren, über den sein Roß stolperte, bald über einen Zweig, der ihm in's Gesicht schlug und die ausgezeichnete Cigarre, welche er rauchte, auszulöschen drohte.

Der Lieutenant lenkte sein Pferd stets dem seines Begleiters nach. An ihm nagten heimliche Gewissensbisse, wenn er sich auch von den Empfindungen, die ihn quälten, keine klare Rechenschaft gab.

Jetzt war es vollständig Nacht geworden. Die Reiter beeilten ihren Schritt. Ohne Aufenthalt passirten sie die kleinen Dorfschaften Contepec und Ipuala und kamen glücklich noch in der Stadt Tasco an.

José hatte wahr gesprochen. Das war eine große Stadt gegenüber den unbedeutenden Ansiedelungen, die schon hinter ihnen lagen. In der größten Straße fand sich sogar eine Art Gasthof. Ein Stallknecht nahm ihnen die Pferde ab, und die Reisenden traten in das Hauptzimmer des Hauses, in welchem sie eine lange, fertig angerichtete Tafel trafen.

Die Spanier nahmen daran einander gegenüber Platz und verzehrten eine Mahlzeit, welche dem Gaumen der Eingeborenen vielleicht vortrefflich munden mochte, die für europäische Zungen aber nur der quälende Hunger genießbar machte. Sie bestand aus Resten von Hühnern mit reichlicher Sauce von grünem Piment, Reis mit rothem Piment und Safran gewürzt, altem Geflügel mit Oliven, Rosinen, Erdnüssen, Zwiebeln, gezuckertem Kürbis, Carbanzos [pg 2-251] und Portulak, das Alles aber begleitet von »Tortillas«, d. s. kleine auf heißen Metallplatten gebackene Maisbrodkuchen. Dann ward noch ein Getränk servirt, und man begab sich zur Ruhe.

Wenn auch nicht auf die erwünschteste Weise, so war ihr Hunger doch gestillt und die Erschöpfung versenkte Martinez und José bald in tiefen Schlummer.

IV.

Von Tasco nach Cuernavaca.

Der Lieutenant erwachte spät am Morgen zuerst.