„Ach!“ sagte sie wehmüthig bewegt: „Du erinnerst mich an meine guten Eltern. Ich bin eine schlechte Tochter. — Seit mehreren Tagen habe ich an die lieben Ehrwürdigen nicht gedacht. — Ich dachte nur an — Dich!“
„Wirklich?“ lachte eine Hölle in seiner Seele.
„Du theures, theures, geliebtes Weib!“ sprach er gegen sie gewendet mit zärtlichem Tone und umfing mit seinen Armen ihren Leib — zog sie an sich heran — und berührte mit seinen fieberischen Lippen die ihrigen.
„Dein Mund brennt wie Feuer!“ rief sie.
„Aus Liebe!“
„Dein Hauch ist so glühend — so heftig. —“
„Die Leidenschaft in meinem Herzen ist es auch!“ rief er und schloß das Weib mit einer Gewalt in seine Arme, die derjenigen glich, da er sie noch so heiß liebte. — — Ach, die Arme ließ sich bethören... ihr Herz schlug und glaubte... es glaubte ihm auch jetzt.... Sie hatte in diesem Augenblick ein so großes Bedürfniß, von ihm geliebt zu werden — und er wußte sich so meisterhaft zu verstellen.. —
So ward denn dieses Frühstück, welches traurig genug anfing, für sie noch zum Freudenmahle. Sie aß wieder, sie trank wieder — — — denn seine Küsse, seine Betheurungen, seine Zärtlichkeit hatten sie besiegt, genesen gemacht.
In Wahrheit, es war ihr leicht beweglicher Sinn, ihr, lebhafter Eindrücke fähiges, und eher zur Lust als zur Trauer geneigtes Gemüth, das ihm hier so trefflich zu statten kam und seine Eroberung in kurzer Zeit vollenden half... Wäre ihre Natur der seinigen ähnlich gewesen, hätte das Resultat leicht ein entgegengesetztes werden dürfen.
Ueberzeugt und sicher gemacht — entfaltete ihre Natur sich nun wieder rasch in allen jenen eigenthümlichen Formen, die wir von und an ihr kennen und vielleicht auch lieben gelernt haben. Sie war wieder das jugendliche, holde, heitere, fröhliche, tändelnde, eitle und doch so liebenswürdige Wesen, welches die Männer bezauberte und die Frauen erfreute... sie war wieder jene Cölestine, die wir als so glücklich und froh kennen gelernt haben. —