Was ihren Gatten betrifft, so erfüllte er ihren Wunsch und blieb heute den ganzen Tag über bei ihr. Er schien durch sein Betragen Alles wieder gut zu machen — und sie sagte zu sich im Stillen:
„Ach — der Arme! Es war eine kurze Rückkehr seiner alten bösen Krankheit.... Diese Schwermuth, diese Hypochondrie machte ihn nicht minder unglücklich als mich.... Man muß Nachsicht mit ihm haben. — — Jetzt aber ist Alles vorbei; er ist wieder mein guter, treuer, geliebter Alexander, und ich — ich bin die seligste der Frauen. —“
Dreizehntes Kapitel.
Neue Proben — neue Beweise.
Es war heute Sonnabend. — Mehrere Reihen Equipagen standen bereits draußen vor dem Palaste des Grafen A—x aufgefahren. Die Lakaien in ihren bunten, abstechenden, oft verschwenderisch mit Gold und Silber beladenen Livréen tummelten sich dazwischen und im Thorwege, während das gravitätische Volk der Kutscher auf ihren Wagensitzen voll ernster Unbeweglichkeit thronte und sich gegenseitig die Vorzüge und Eigenschaften ihrer Pferde erörterte, was diese klugen Geschöpfe auch recht gut zu verstehen schienen und wobei sie durch Wiehern, durch Prusten, Stampfen und allerhand Bewegungen (in deren geheimnißvolle Bedeutungen wir noch nicht völlig eingedrungen sind) ihre Freude, ihren Stolz, ihren Unwillen zu erkennen gaben — denn bekanntlich herrscht zwischen Pferd und Kutscher oder Reiter ein Verständniß, eine Sympathie...
Drinnen im Hause, in den Salons der Gräfin tummelte sich heute eine reiche prunkende und zahlreiche Welt. Nur Gott weiß es, wie sein Himmel alle diese Menschen so auf ein Mal herabgeschneit hatte; denn mehr als die Hälfte unter ihnen waren für unsere holde Hausfrau, wie man sich ausdrückt, „wildfremd.“ — Indeß mangelte es ihnen nicht an jenen Eigenschaften und Bedingnissen, vermöge deren selbst ein „wildfremder“ Mensch in guter Gesellschaft das Recht erhält, sich sofort wie einer ihrer ältesten Bekannten zu geriren. Das heißt: alle diese Leute waren eingeführt und jetzt theils der Gräfin, theils ihrem Manne vorgestellt worden. — Die beiden Ehegatten schienen heute unvergleichlich liebenswürdig; das sagte die ganze Versammlung — und wir können hinzusetzen: über Cölestine täuschte sie sich nicht. Was ihren Gatten betrifft, so ist dies freilich eine andere Sache. —
Zum ersten Male nach so langer Zeit hatte die junge Frau wieder die Freude, ihre Eltern bei sich zu sehen; sie umarmte die gute Mutter mit Thränen in den Augen. General von Randow scherzte, wie gewöhnlich, ihr gleich den Willkomm weg und küßte ihr die Worte von den Lippen, so daß sie ihm weiter nichts sagen konnte als: „Mein liebes gutes Väterchen —!“ worauf er in seiner Weise „Schon gut! schon gut!“ entgegnete. —