„Und auf welche Weise würde ich Ihnen diesen Dienst, den ich mit so großer Bereitwilligkeit übernehme, leisten können?“ fragte aufmerksam der Chevalier.
„Einfach dadurch, daß Sie die artige Historiette, die Sie uns so eben vortrugen, meiner Gemahlin wieder erzählen. — Sie wird diese Gelegenheit ergreifen, einen unserer interessantesten Kavaliere näher kennen zu lernen...“
Ein mephistophelisches Zucken bewegte sich, während er diese Worte sprach, um den Mund des Grafen. Marsan seinerseits ließ ein augenblickliches Freudeleuchten über sein Gesicht ziehen, welches jedoch bald einer merkbaren Blässe wich.
„Nur so fort!“ dachte der Graf im Stillen, erhob sich jetzt kalt und führte den Chevalier zu Cölestinen: „Meine Gemahlin — Sie sollen diesen liebenswürdigen Herrn einige Augenblicke in meinem Interesse anhören — dies ist meine inständige Bitte. Herr von Marsan wird Ihnen Etwas, worüber unter uns so oft Streit war, bestätigen und sich dadurch nicht nur um mich, sondern auch um Sie, meine Theure, ein Verdienst erwerben.“
Cölestine starrte bei dieser Rede ihren Mann an, als verstände sie den Sinn seiner Worte nicht; zugleich aber ihrer Pflicht als Frau vom Hause eingedenk, wies sie dem Franzosen und Alexander Plätze in ihrer Nähe an, indem sie zu Jenem gewendet sprach: „In der That, mein Herr, Sie erweisen mir kein geringes Vergnügen, indem Sie mir eine Mittheilung machen, die von solchem Interesse ist, daß dieselbe meinen Gemahl sogar zu Gedächtnißfehlern verleiten konnte; denn meines Wissens haben wir nie über einen Punkt gestritten, der nicht sofort aufgeklärt worden wäre. —“
„Du erinnerst Dich jedoch jenes Vorfalls, den ich in Lausanne erlebte. —“
„Ach — jene Geistergeschichte, worüber ich so lachte! — Und diese scheint Ihnen so wichtig, mein Gemahl? — —“
„Gnädige Frau,“ nahm Marsan das Wort, der nicht mehr wußte, ob man hier Ernst oder Scherz treibe, und der seinerseits zu dem Letzteren sehr wenig Lust haben mochte. „Gnädige Frau,“ sagte er in einem ruhigen, gemessenen Tone: „nicht mich klagen Sie an, falls es sich hier um Etwas handelt, was ich noch nicht begreife... ich bin blos das Werkzeug des Herrn Grafen und habe mich aus Hochachtung für Sie gerne diesem sonderbaren Berufe unterzogen. —“ Er warf hier zugleich einen jener leichten, blitzenden unaussprechlichen Blicke auf Alexander, womit ein Mann von gutem Tone eben sowohl seine unerschütterliche Fassung wie die Geringschätzung einer Gefahr oder auch eines Menschen zu erkennen giebt. Alexander kämpfte, seit Marsan die erste Silbe an Cölestine gerichtet hatte, mit einem convulsivischen Zittern, welches er zwar bezwang, — doch nicht so ganz, daß es dem scharfen Blicke seines Gegners entgangen wäre.
Das Letztere ward für ihn Marsan von diesem Augenblicke an in der That. Er ward sein Gegner, sein Feind, sein entschiedener Widersacher. Der größte Beweis hierfür war wohl der, daß er beschloß, es ihn sofort merken zu lassen.